15.10.2002

Protokoll: 14. LJV-Treffen

Kategorie: LJV-Treffen
Protokoll der 4. Delegiertenversammlung der Landesjugendvertretung Westfalen e.V. 12. und 13. Oktober 2002 in Hagen-Berchum (14. LJV-Treffen seit Gründung 1998)

Protokoll der 4. Delegiertenversammlung der Landesjugendvertretung Westfalen e.V.
12. und 13. Oktober 2002 in Hagen-Berchum
(14. LJV-Treffen seit Gründung 1998)

Anwesend: Delegierte aus den Kirchenkreisen (KK) Hattingen-Witten, Bochum, Steinfurt-Coesfeld-Borken, Soest, Münster, Lünen

1. Formalien:

Die Einladung zur Delegiertenversammlung ist allen Mitgliedern rechtzeitig zugegangen. Sie ist damit beschlussfähig.

2. Berichte I:

- Die Delegierten berichten aus ihren Gemeinden und Kirchenkreisen. (Wird hier nicht einzeln protokolliert.)

- Hausaufgaben des Vorstandes: Martin Sellner stellt einen ersten Entwurf für den neuen Gottesdienst-Check vor. (Dazu unten mehr.)

Christoph Urban berichtet von einer Anfrage an die Kirchenkreise, die gebeten waren, sich zu melden, wie sie bei sich Jugendbeteiligung gewährleisten. Diese Ergebnisse (siehe unten) sollen öffentlich gemacht werden.

2. Arbeitsgruppen

2.1 AG Gottesdienst-Check

Die vorliegende, von Martin neu gestaltete Version wird noch einmal überarbeitet und teilweise ergänzt. Weiterhin werden Vorschläge zur "Vermarktung" des Flyers über Internet, Radio und Zeitung erarbeitet. Die Arbeitsgruppe will den Flyer bis zur nächsten Delegiertenversammlung drucken lassen; er soll an alle Kirchengemeinden in Westfalen geschickt werden. Zudem soll eine Online-Version in das Internetangebot von www.landesjugendvertretung.de eingebunden werden.

2.2 AG Politisch

Die AG bereitet eine Diskussionsrunde mit Ralf-Erik Posselt von SOS-Rassismus-NRW vor. Beim letzten Treffen war es zu diesem Thema zu heißen Diskussionen gekommen. Der Vorstand hatte daraufhin den Referenten eingeladen. – Die Diskussionsrunde am Abend (außerhalb der offenen AG-Phase) war denn auch der angemessene Rahmen und ist allgemein sehr gut angekommen.

2.3 AG Jugendbeteiligung in Gemeinden und Kirchenkreisen

Zu den Beteiligungsstrukturen hatte die LJV nach der letzten VV eine erneute Anfrage an die Kirchenkreise geschickt. Als Ergebnis liegen Rückmeldungen aus ca. 1/3 aller KK vor, die Christoph Urban zu Anfang vorgestellt hatte.

Die AG erstellt auf dieser Grundlage Standards für die Beteiligung Jugendlicher in den Kirchenkreisen. Diese sollen bis zur nächsten VV weiter ausgearbeitet werden.

Weiterhin ergibt sich in der anschließenden Diskussion, dass das Thema Schwerpunkt für das nächste Treffen sein soll. Es wird angeregt, die „Aktion Flächenbrand“ (Das ist schon lange her und will meinen: neue Jugendselbstvertretungen anschieben.) wiederzubeleben.

Aus den bisher vorliegenden Ergebnissen und den ausformulierten Stichwörtern unten (machen die AG und der Vorstand weiter) soll ein Paket geschnürt werden und an die Kirchenkreise versandt.

Die Ergebnisse der Gruppe in Stichworten:

Gemeinde:

- Keine Gemeinde mehr ohne Jugendarbeit!

- Jugendausschüsse für alle Gemeinden!

o Öffentlich

o Mehrheitlich von Jugendlichen besetzt

o Presbyterbefähigung darf kein Kriterium sein

- Überall soll es autonome Jugendmitarbeiterkreise geben

- Mindestens ein Jugendlicher/eine Jugendliche gehört als Botschafter/in ins Presbyterium

o Gewählt von einer Jugend-Wahlversammlung (kann im Mitarbeiterkreis sein – aber nicht von einzelnen bestimmt)

- Gemeindejugendvertretung erwünscht!

Kirchenkreis:

- Ein synodaler Jugendausschuss ist absolutes Muss!

o Mindestens Paritätisch aus ehrenamtlichen Jugendmitarbeiter/innen unter 27 Jahren und Presbytern/Synodalen besetzt, gerne auch die Mehrheit.

o Es soll gewährleistet werden, dass wirklich jede Gemeinde vertreten ist und dass sich niemand rausreden kann

- Es muss Jugenddelegierte (mehrere) auf der Synode geben

o Gewählt durch eine ehrenamtliche Wahlversammlung

- Ein/e Jugendliche/r soll Mitglied des Kreissynodalvorstandes sein

- Regelmäßige Fortbildungsveranstaltungen auf Kirchenkreisebene, deren Themen sich allein am Bedarf der Jugendmitarbeiter/innen orientieren soll und die maßgeblich in Konzeption und Durchführung von ihnen gestaltet werden

- Regelmäßige Dankeschön-Aktionen und Mitarbeiter-Partys

- Kreisjugendvertretung sehr erwünscht!


2.4 AG Power-Point-Präsentation

Die AG arbeitet an Christophs einfältiger Power-Point-Präsentation zur Vorstellung der LJV-Arbeit weiter. Es werden kleinere Änderungen vorgenommen. Die AG will die Präsentation bis zur nächsten VV weiter entwickeln, so dass sie in einem Info-Paket an die KK verschickt und im Internet zum Runterladen angeboten werden kann.

3. Berichte II

Aktionstag in Schwerte am 14./15. September '02:

LJV war mit Malte, Andre, Franzi, Martin, Timo, Jonas, Phillip und Christoph vor Ort und hat die Arbeit präsentiert – dabei besonders die Reader und Bleistifte sowie die Einladung fürs Treffen in Berchum unter die Leute gebracht. Außerdem hat der Präses Manfred Sorg (Kirchen-Boss von Westfalen) jetzt ein T-Shirt von der LJV (siehe Beweisfoto im Internet).

Steuerungsgruppe:

Christoph informiert über den neusten Stand der Dinge. Wichtig ist dabei vor allem die Verschiebung des Konsultationsprozesses, und damit des Besuches von Landesjugendpfarrer Bußmann auf die nächste Vollversammlung. Die Steuerungsgruppe – ein Kommission der Landeskirche, die eine neue Ordnung für die Evangelische Jugend entwickeln sollte – hat im September ihren Vorschlag der Jugendkammer (Jugendausschuss der Kirchenleitung) unterbreitet. Die LJV hat daran ganz maßgeblich und erfolgreich mitgearbeitet.

Wahl von Jens in die aej-MV

Die Jugendkammer hat Jens Wollesen in die Mitgliederversammlung der AEJ, der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in der Bundesrepublik gewählt. Glückwunsch – und grüß uns mal schön die Welt!

Werbung und Masterplan

Auf der nächsten Delegiertenversammlung soll ein Aktionsplan erstellt werden, um mehr Kirchenkreise zu erreichen. Das passt auch wunderbar in das Schwerpunktthema. Es werden Sachgeschenke als "Aufwandsentschädigung" für Mitglieder angedacht. In jedem Fall wird es zu Nikolaus für jeden/jede, der/die in diesem Jahr bei einem LJV-Treffen war, einen Anti-Rassismus-Kalender (damit man die Termine für 2003 nicht vergisst) geben. Der Vorstand soll prüfen, ob noch Kohle für CD- oder Kinogutscheine da ist.

Brief an die Jugendministerin

Jens hat als Hausaufgabe des letzten Treffens einen Brief an die – ehemalige, muss man jetzt sagen – Jugendministerin Christine Bergmann formuliert. Der Brief und die Antwort sind im Anhang.

Wahlen

Der Vorstand hat ausgedient, im Frühjahr müssen neue Leute ran, denn die zwei Jahre Legislatur sind rum. Um die Entscheidung zu erleichtern, soll bei den nächsten Vorstandstreffen bis zum Frühjahr der Vorstand um die Leute erweitert werden, die Bock haben. Der Termin soll schon mit den Interessierten zusammen gemacht werden – nicht, dass nachher niemand kann.

Nächstes Treffen

Das nächste Treffen findet statt am 8. und 9. Februar 2003 in Bochum.

Ende



Anlage: Brief an die Jugendministerin Bergmann zur Neufassung des Jugendschutzgesetzes


Sehr geehrte Frau Bergmann,

hiermit möchten wir Sie zur Neufassung des Jugendschutzgesetzes beglückwünschen.

Wir, das sind Jugendliche in der Landesjugendvertretung, der Vertretung der evangelischen Gemeindejugend in Westfalen. Die vielfältigen Meinungen und Positionen in einer solch großen Gruppe lassen sich natürlich nicht ohne Weiteres unter einen Hut bringen: Konsequenterweise werden Stellungnahmen auf unseren Tagungen in der Diskussion und unter Berücksichtigung dieser Meinungsvielfalt beschlossen und gelten in erster Linie für die beteiligten Mitglieder. Für die aber dann bestimmt.

Wir wundern uns etwas, dass eine Reform des Jugendschutzgesetzes so lange brauchte: Seit Ankündigung immerhin schon eine ganze Wahlperiode. Natürlich, gut Ding will Weile haben. Oder will man vor den Wahlen und nach Pisa und Erfurt noch einmal Entschlossenheit demonstrieren?

Wie dem auch sei, in jedem Fall wäre unsere Freude hierüber größer gewesen, hätte die Regierung eine ernsthafte Beteiligung von Jugendlichen an der Gestaltung dieses Gesetzesentwurfs ermöglicht. Dann wäre auch gar nicht erst der Eindruck aufgekommen, der SPD ginge es nur um den schnellen Erfolg, anstatt einer sachorientierten Auseinandersetzung mit einem reformbedürftigen Gesetz.

Der Schutz der Jugend muss sich an den besonderen Erwartungen und Bedürfnissen der Jugendlichen ausrichten. Die vom Staat Beschützten müssen bei der Gestaltung dieses Gesetzes angehört und in (mit-) bestimmender Funktion beteiligt werden. Denn hierfür sind Jugendlichen nun mal die Experten und niemand wird ernsthaft behaupten, er kenne die Probleme der Jugendlichen besser als sie selbst. Besonders wichtig ist uns auch, dass hierbei nicht allein pseudo-jugendliche Strukturen gehört werden, wie das bei den meisten der etablierten Jugendverbände der Fall ist. Denn diese sind auf entscheidungstragender Ebene häufig so überaltert, dass man nur selten von einer wirklichen Vertretung der Jugendlichen sprechen kann.

Stattdessen müssen flexible Formen der Mitbestimmung ermöglicht werden. Ehrenamtliche, von Jugendlichen selbst organisierte und selbst getragene Organisationen müssen stärker zum Zuge kommen.

Es hätte diesem Gesetz insbesondere auch mehr Authentizität verliehen, wären Kinder und Jugendliche an seiner Gestaltung beteiligt gewesen. Denn wenn Jugendliche immer früher für selbstständig erklärt und als eigenverantwortlich behandelt werden, dann aber bitte richtig!

Ob das Gesetz nun inhaltlich angemessen ist oder nicht: Auch bei dieser Frage kommt man an den Jugendlichen nicht vorbei. Die Antwort wird mitunter sein, dass der Gesetzestext weniger wichtig ist als seine Umsetzung vor Ort. Kinder und Jugendliche warten auf konkrete Veränderungen, nicht auf weitere Papierreformen. Die Tabakautomaten-Regelung ist da aus unserer Sicht ein positives Beispiel. Deshalb meinen wir, kann das neue Jugendschutzgesetz nur ein erster Schritt sein. Denn Regeln zu beschließen ist das eine - sie mit Fleisch zu füllen, das andere.

Kommen wir ins Gespräch über die Fragen, die wirklich spannend sind. Hier drei exemplarische Anmerkungen:

Dass Computerspiele in Zukunft mit einer Altersfreigabe versehen werden sollen, finden wir nur logisch. Dass sie aber genau so Verbreitung finden dürften, liegt wohl auch auf der Hand. Aber: Wie können wir gesellschaftlich darauf hinwirken, dass Jugendliche sich von so genannten Ego-Shootern, sinnlosem Gemetzel, einfach gelangweilt und abgestoßen fühlen, weil sie Besseres zu tun haben? Oder dass diejenigen, die es trotzdem brauchen, zumindest vom Selbstwertgefühl her so gefestigt sind, dass sie nicht die Fiktion mit der Realität verwechseln?
Dass Kindern und Jugendlichen der Zugang zu Zigaretten erschwert werden soll und damit die herkömmlichen Tabakautomaten (öffentlich und frei zugänglich) der Vergangenheit angehören, begrüßen wir. Warum aber werden dann mit Deutschlands geteerten Raucherlungen ganze Anti-Terror-Pakete geschnürt (Tabaksteuer), in die Suchtprävention – Aufklärung an Schulen etwa – aber nur Peanuts gesteckt?
Dass nach wie vor Jugendliche vor gefährlichen Orten geschützt werden sollen, finden wir löblich. Nur, warum werden gerade Kinder durch aggressive Verkehrs- und Wohnraumplanung ihrer Spielmöglichkeiten beraubt, haben Eltern in den Städten Angst, ihre Kinder allein herumlaufen zu lassen? Würde Deutschland, einig Autoland, Tempo 30 in allen Innenstädten einführen – weil Kinder eben eine andere Wahrnehmung haben als Erwachsene? Die Jugendlichen: Warum haben wir in einigen Landstrichen, besonderes den so genannten strukturschwachen Regionen, oft gar keine Räume für Jugendliche, so dass man sich eben abends an der Tanke treffen muss? Ein anderer Punkt: Warum ist durch die Kürzungen des Landes NRW im Landesjugendplan besonders die Offene Arbeit der Verbände in Gefahr? Wenn schon Kinder und Jugendliche vor gefährlichem Pflaster bewahren, dann aber bitte alles dafür tun, dass ihnen auch Alternativen/Angebote offen stehen.
Kommen wir darüber ins Gespräch und stoßen wir die gesellschaftliche Debatte an, die das Thema eigentlich verdient hätte. Das sollte ein Vorsatz jeder nächsten Regierung sein. Dem wird sich niemand verschließen.

Mit freundlichen Grüßen,

Jens Wollesen
für den Vorstand