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Interview mit einem jungen Ältesten

"Ich dachte, dass sich da was bewegen lassen müsste!" Alexander Tschense ist mit 20 Jahren "Ältester" (Presbyter) geworden und arbeitet als Jüngster seit fast 12 Jahren im Presbyterium in Lippstadt mit. Mittlerweile ist der Fachinformatiker 31 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Die LJV sprach mit ihm über die Arbeit im Presbyterium:

Kirchenwahl EKvW LJV: Seit wann hast du etwas mit Kirche zu tun? Was hast du da gemacht und wie hat das angefangen?

Alexander Tschense: Während des Konfirmationsunterrichts, also mit 13, kam die neue Jugendreferentin zu uns in die Gruppe und stellte sich vor. Sie erzählte, dass sie neue Mitarbeiter für eine Kindergruppe suchen würde. Keine Ahnung, warum ich dann tatsächlich dahin gegangen bin, aber schließlich bin ich dabei geblieben. Die nächsten 10 Jahre habe ich dann alles mitgemacht, was die Ev. Jugend im Programm hatte: Co-Leitung von Kindergruppen und -freizeiten, Teilnahme und Begleitung von Jugendfreizeiten, bei Jugendgottesdiensten mitmachen, Spielfeste organisieren, zum Kirchentag fahren, und, und und.

LJV: Seit wann bist du im Presbyterium tätig und wie hast du angefangen?

Alexander: Mit 17 wurde ich als stimmberechtigter Jugendlicher in den Jugendausschuss der Gemeinde berufen. Das war cool, auch wenn ich von den ganzen Sachen nur die Hälfte verstanden habe. Da war es gut, dass es Menschen gab, die mir die Kirche erklärt haben. Mit 20 Jahren habe ich bei der Presbyteriumswahl kandidiert. Da die Arbeit im Jugendausschuss schon ganz spannend war, dachte ich mir, dass sich da was bewegen lassen müsste.

LJV: War es schwer, deine Sichtweise als junger Mensch den vielen alten Damen und Herren zu verdeutlichen?

Alexander: In der ersten Zeit war es für mich äußerst schwierig, Zusammenhänge und Hintergründe zu verstehen. Was weiß man als junger Mensch schon von Bau- und Finanzfragen? Da gab es wenig Stellen, an denen ich überhaupt eine Sichtweise einbringen konnte. Darüber hinaus war aber deutlich, dass einige der Mitpresbyterinnen und Mitpresbytern die Meinung eines 20-Jährigen nicht so ernst nehmen. Wohl auch deswegen, weil manche davon ausgehen, dass der sowieso nur provozieren will.

LJV: Wie sah deine Anbindung an die Jugendarbeit aus?

Alexander: Auch als Presbyter sitze ich im Jugendausschuss der Gemeinde und zwischenzeitlich auch im Synodalen Jugendausschuss. Ich würde das allerdings nicht eine Anbindung nennen. Mir ist wichtig, nicht nur im Ausschuss zu sitzen, sondern den jungen Menschen auch zu begegnen.
In den ersten Jahren habe ich selbst noch aktiv Jugendarbeit gemacht. Inzwischen reduziert sich das aktive Engagement auf die Beteiligung bei der KinderKirche. Mit der jetzt zu etablierenden Jugendkirche wird sich das aber vielleicht wieder ändern.

LJV: Wie denkst du, sollen und können Jugendliche intensiver an Entscheidungen der Gemeinde und der Kirche teilhaben?

Alexander: Ich fände es wichtig, dass man Jugendlichen die Möglichkeit gibt, "Kirchenluft" zu schnuppern. Bezirksausschüsse oder auch der Jugendausschuss sind sicherlich gute Orte, an denen sich auch Jugendliche mit ihrer Erlebniswelt einbringen können. Vielleicht sollte sich jeder Ausschuss vornehmen, auch Jugendliche in seine Reihen zu berufen.
Man muss aber im Blick haben: Selbst vier Jahre sind für einen Jugendlichen eine Ewigkeit. Für so einen Zeitraum wird keiner gerne zusagen. Da ist Flexibilität der Gremien gefragt.

LJV: Was würdest du anderen jungen Presbytern mit auf den Weg geben wollen?

Alexander: Hört den "Alten" gut zu, sie haben viel Erfahrung und wissen, wie der Hase läuft. Aber lasst euch nicht einschüchtern, stellt Fragen, stellt infrage und seid beharrlich.

LJV: Und was den "Alten"?

Alexander: Hört den "Jungen" gut zu, sie haben frische Ideen, denken quer und sind nicht so vorbelastet. Nehmt sie ernst! Habt Geduld mit "Neuen", die noch viel lernen müssen. Ihr habt auch mal angefangen.
Die Institution Kirche muss sich im Moment vielen Herausforderungen stellen. Ich finde es spannend und wichtig, sich da einzubringen. Leider findet sich meine Altersgruppe in der Kirche viel zu selten wieder.