19.03.2007

Nordwalder Erklärung zum Jugendgottesdienst

Kategorie: Arbeitsgruppen News
Jugendliche suchen wie eh und je Ausdrucksformen für ihre Religiosität. Dafür soll Kirche ihnen Heimat geben, ihnen ermöglichen, ihren Alltag mit ihrer Suche nach Gott in Berührung zu bringen. Es gilt, die Vielfalt der Formen spirituellen Lebens Jugendlicher zu entdecken und anzuregen

Jugendliche brauchen auch ihren eigenen Gottesdienst

Damit Jugendliche Gottesdienst für sich erfahren können, müssen sie im Blick sein. Dies kann geschehen
* als Vorbereitende eines Gemeindegottesdienstes („Gottesdienst der Jugend für die Gemeinde“)
* als Mitwirkende oder Teilnehmer im regulären Sonntagsgottesdienst und bei besonderen Anlässen („jugendgemäße Gottesdienste“)
* als Jugendliche, die einen Gottesdienst für Jugendliche vorbereiten und feiern („Jugendgottesdienst“).

Jugendgottesdienste und jugendgemäße Gottesdienste sollen - basierend auf dem christlichen Glauben - in vielen verschiedenen Formen und Beteiligungsmöglichkeiten geschehen, die an den Jugendlichen orientiert und mit ihnen gemeinsam entwickelt sind. Ein Beziehungsgeflecht zwischen Ehrenamtlichen, Hauptamtlichen und möglichen Teilnehmern /-innen ist entscheidend für die Motivation, sich zum Jugendgottesdienst zu treffen.

Jugendgottesdienste fordern die Gemeinde

Angebot und Entwicklung von Gottesdiensten für Jugendliche müssen Gemeindeleitende verantwortlich begleiten.

Für jugendgemäße Gottesdienste bedeutet dies unter anderem:
* Jugendliche können sich selbst einbringen (z.B. als musikalisch, künstlerisch-gestaltend, dramaturgisch), in jedem Fall gibt es mehrere Beteiligte
* Texte sind lebensnah und verständlich formuliert
* die Grundstimmung des Gottesdienstes ist eher fröhlich als depressiv
* bei der Vorbereitung der Predigt sind Jugendliche im Blick.

Jugendgottesdienste sind auch Aufgabe der hauptamtlichen MitarbeiterInnen

Mitarbeitende in der Jugendarbeit und Pfarrer/ -innen in den Ortsgemeinden und Regionen sollen Jugendgottesdienste für sich als Aufgabe annehmen. Mal sind sie als Initiatoren gefragt, mal als theologische Begleiter, mal als Seelsorger für Teilnehmer und Mitarbeiter. Jugendgottesdienste konkret gestalten zu können, Mitarbeiter zu begleiten und jugendliche Religiosität in der Gemeinde zu beheimaten muss ein wichtiger Teil der Vikariatsausbildung und/ oder der anschließenden Weiterbildung (z.B. „FEA“) sein.

MitarbeiterInnen müssen für Jugendgottesdienste geschult werden

Die Auseinandersetzung mit Jugendkultur und Jugendarbeit muss daher fester Bestandteil in der Aus- und Fortbildung aller kirchlichen Mitarbeitenden sein. Persönliche Beziehungen und vertrauensvolle Bindungen sind wichtige Voraussetzungen von Jugendgottesdiensten.

Förderung von Musik- und anderer Jugendkultur

Ein Dreh- und Angelpunkt für Jugendliche ist ihre Musikkultur. Gerade hier müssen die Mitarbeitenden geschult und immer wieder fortgebildet werden. Wir brauchen Förderprogramme für Jugendkulturarbeit, ganz besonders für Bandprojekte, die immer wieder von Jugendlichen eingefordert werden. Hierfür muss genügend Geld aus dem kirchlichen Haushalt bereitgestellt werden. Die Möglichkeiten der neuen Medien sollten dabei so genutzt werden, dass auch in kleinen Gemeinden ohne professionelle Kirchenmusik musikalisch ansprechende Jugendgottesdienste möglich sind.

Jugendgottesdienste sind möglich und nötig

Ein Jugendgottesdienst gewinnt seine Qualität nicht durch die Quantität der Teilnehmenden;
Qualitätskriterium ist viel mehr, dass Jugendliche Handelnde im Gottesdienstgeschehen sein können. Daher können sie auch im kleinen Rahmen gelingen.

Es gibt eine Vielfalt erprobter, innovativer, jugendgemäßer und jugendlicher Gottesdienstformen; diese sollten verstärkt wahrgenommen und kirchlich gewürdigt werden.


Nordwalde, 18. Mai 2004 (Auf einer ersten bundesweiten Fachtagung zum „Jugendgottesdienst“ am 17. und 18. Mai 2004, haben die 50 Teilnehmerinnen aus verschiedenen Teilen und Landeskirchen Deutschlands diese Erklärung erarbeitet und beschlossen. Veröffentlicht in epd-Dokumentation 31/2004 )

(Erklärung als pdf )