12.08.2007

Weitere Reaktionen zum Modell einer Jugendsynode

Kategorie: Jugendarbeit
Konkret zur Stellungnahme des Bundesministeriums für Jugend kommentiert das Büro für Bürgerbeteiligungsverfahren: Mit Interesse habe ich die Stellungnahmen vom BFSFJ gelesen. Herr Hans-Peter Bergner hat wesentliche Elemente des Verfahrens Planungszelle erkannt und in ihrer Intention richtig eingeschätzt. Die daraus resultierende Beurteilung lässt sich aber aus verschiedenen Perspektiven vornehmen.

Konkret zur Stellungnahme des Bundesministeriums für Jugend kommentiert das Büro für Bürgerbeteiligungsverfahren: Mit Interesse habe ich die Stellungnahmen vom BFSFJ gelesen. Herr Hans-Peter Bergner hat wesentliche Elemente des Verfahrens Planungszelle erkannt und in ihrer Intention richtig eingeschätzt. Die daraus resultierende Beurteilung lässt sich aber aus verschiedenen Perspektiven vornehmen.

In seiner positiv-skeptischen Betrachtung geht er zunächst auf die Möglichkeit der Manipulation ein, die grundsätzlich jeder geleiteten oder begleiteten Gesprächsrunde innewohnt. An dieser Stelle bin ich sehr froh, in Ihrem Konzept, die Entscheidung für eine neutrale in der Durchführung von Planungszellen erfahrene Institution zu finden. Dies ist eine wesentliche Grundlage um einen manipulativen Interessendurchgriff zu verhindern. Gleichzeitig wird so eine Qualitätssicherung erreicht, da Institutionen wie das Netzwerk "forum b" seit Jahren mit dem Verfahren arbeiten und bei Bedarf von der Bundeszentrale für politische Bildung auch immer die Bildungsurlaubsgenehmigung für Bundesbeamte erhalten haben.

Seine Einschätzung bezüglich "der Spielmasse innerhalb eines nicht-partizipatorischen Systems" kann ich nicht beurteilen, da es hier um die Beurteilung der Position der "Jugendsynode" in der EKvW und um die demokratische Grundhaltung der EKvW geht, der ich nicht angehöre und mit der ich mich auch nicht entsprechend intensiv befasst habe, der ich aber zunächst einmal eine demokratische Grundhaltung unterstellen möchte.

Tatsächlich müssen die Teilnehmenden der Planungszelle gegenüber niemanden Rechenschaft ablegen. Gerade dies ist die Stärke des Planungszellenverfahrens. Die Teilnehmenden brauchen sich keine Gedanken über Wiederwahl oder Beförderung machen, sondern sind nur ihrem gesunden Menschenverstand und dem Allgemeinwohl verpflichtet, keinem Fraktionszwang und auch keinem Druck durch eine Interessensgruppe (wie bei einer Stellvertreterbeteiligung am Runden Tisch). Ziel der Landesjugendvertretung ist es ja gerade die Entscheidungsgrundlage für die gewählten (aber leider zumeist wenig repräsentativen) Gremien durch die Einbeziehung von heterogenen "Zufallsgremien" zu verbessern und nicht die gewählten Gremien durch Zufallsgremien zu ersetzen. (Übrigens wurden bereits im antiken Athen die Entscheidungen der Vollversammlung durch Gremien vorbereitet die durch eine Zufallsauswahl gebildet wurden).

Durch die vorgeschlagene Vorgehensweise können so auch Jugendliche erreicht und zu politischem Lernen motiviert werden, die sonst wahrscheinlich keinen Zugang zur politischen Bildung haben. Meine Erfahrung aus über 10 Jahren Arbeit mit dem Verfahren "Bürgergutachten durch Planungszellen" hat mir gezeigt, dass nach den Planungszellen Bürgerinnen und Bürger einen neuen Zugang zur Politik entwickelt haben. Aktuell haben wir in Lengerich Westfalen knapp 10 Jahre nach einem Planungszellenverfahren einen 8-seitigen Fragebogen an 2000 Bürgerinnen und Bürger verschickt. Die Ergebnisse eines überwältigenden Rücklaufes von 20% belegen, auch nach einer so langen Zeit, eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung für das Verfahren und seine Ergebnisse. (Weitere Informationen hierzu finden Sie unter www.zukunft-vor-ort.de ).

Insgesamt freue ich mich über die Bereitschaft des Ministeriums zu einem kritischen Dialog zu Ihren Bemühungen. Weiterhin viel Erfolg wünscht Benno Trütken, Büro für Beteiligungsverfahren, Fürstenau."