31.12.2004

Von Gott reden - gerade auch in der Schule

Kategorie: Allgemein
Von Gott reden - gerade auch in der Schule. Großer Andrang bei der Erziehungs- und Schulkonferenz: Interview mit Professor Dr. Hans Martin Lübking, Direkter des Pädagogischen Instituts der Evangelischen Kirche von Westfalen

Ungewöhnlich viele Leute nahmen diesmal teil. Woran das lag und was man sonst noch über die Konferenz wissen sollte - Gerd-Matthias Hoeffchen von der westfälischen Gemeindezeitung "Unsere Kirche" ließ es sich erklären von Hans-Martin Lübking, dem Direktor des Pädagogischen Instituts der westfälischen Kirche.

Nach Jahren verhaltenen Zuspruchs glänzt die Erziehungs- und Schulkonferenz diesmal mit 160 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Was war los?

"Die Konferenz hat seit einigen Jahren wieder verstärkte Akzeptanz. Dieses Mal war der Referent Eberhard Jüngel eine zusätzliche Attraktion ..."

... die Ikone unter den gegenwärtigen Theologen ...

"Jeder, der sich mit Theologie beschäftigt, hat mit seinen Schriften zu tun. Jetzt gab es die Gelegenheit, ihn persönlich zu erleben."

Neu war, dass die Lehrer-Workshops von Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus der Region gehalten wurden.

"Richtig. Fünf der sechs Workshop-Leitenden kamen aus Ostwestfalen. Das sind kurze Wege zum Veranstaltungsort Bielefeld. Auch das sorgt natürlich für Beteiligung - denn dann lassen sich Leute aus dem eigenen Kollegium umso leichter zum Mitkommen bewegen."

Trotzdem: Die Erziehungs- und Schulkonferenz war nicht immer so erfolgreich.

"Nein. Ursprünglich gab es einmal vier Regional-Konferenzen: in Siegen, Dortmund, Münster und eben Bielefeld. "

Überlebt hat nur die in Bielefeld., Warum gerade die?

"Das ist auch dem Engagement des damals zuständigen Dezernenten Eckhard Lubrich zu verdanken. Aus der Regionalkonferenz Bielefeld ist dann die gemeinsame Erziehungs- und Schulkonferenz der Evangelischen Kirche von Westfalen geworden."

An wen richtet sich die Konferenz? "

An Lehrerinnen und Lehrer aller Schulstufen. Daneben auch an Pfarrerinen und Pfarrer. Bislang schwach vertreten sind Erzieherinnen und Erzieher. Da müssen wir nachlegen."

Religionsunterricht, Aufgabe der Kirche: Wie sieht die Zukunft aus? "

In Nordrhein-Westfalen rüttelt keine maßgebliche politische oder gesellschaftliche Kraft daran. Insofern ist hier die Lage, anders als in anderen Bundesländern, stabil. Aber wir werden demnächst mit einem anderen Riesenproblem zu tun haben."

Nämlich?

"Eine gewaltige Pensionierungswelle von Religionslehrerinnen und -lehrern. Wir mühen uns nach Kräften, Lehrer anderer Fächer für den Religionsunterricht zu begeistern, um die Lücken zu schließen. Nach einer entsprechenden Fortbildung durch das Pädagogische Institut könnten sie dann den Unterricht erteilen."

Und? Stoßen Sie auf Interesse?

"Sehr. Das Problem ist aber auch hier: das Geld. Theoretisch werden die Kosten dafür vom Land erstattet."

Aber in der Praxis ...

"... bleibt die Kirche auf einer Menge Ausgaben sitzen. Da wartet in der künftigen innerkirchlichen Spar-Diskussion noch Überzeugungsarbeit auf uns: Bildung braucht Geld."

aus: "Unsere Kirche", 43 / 2004