09.03.2009

Studie zur Konfirmandenarbeit

Kategorie: Konfirmanden
Eine Studie an der Universität Tübingen stellt den Stand und die Perspektiven der Konfirmandenarbeit in der Württembergischen Landeskirche vor. Die Studie wurde von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg in Auftrag gegeben und finanziert. Mit dieser Studie stellt die Landeskirche ihre Konfirmandenarbeit auf den Prüfstand. Befragt wurden neben den Pfarrerinnen und Pfarrern erstmals auch die Kinder und Jugendlichen, die Eltern sowie die ehrenamtlich Tätigen.

Beeindruckend ist das hohe Maß an Zufriedenheit bei allen Beteiligten. Insgesamt ist die Konfirmandenarbeit ein Erfolgsmodell. Daneben verweist die Untersuchung aber auch auf Schwachstellen und neue Herausforderungen. Damit gibt die Studie wichtige Hinweise für die weitere Reformarbeit.

In der Württembergischen Landeskirche können sich Kirchengemeinden seit dem Jahr 2000 für einen zweistufigen Weg zur Konfirmation entscheiden. Die Konfirmandenarbeit beginnt dann bereits parallel zur 3. Klasse ("Konfi 3") und wird in der 7./8. Klasse fortgesetzt. Die Evaluation des Modells Konfi 3 bildete einen Schwerpunkt der Untersuchung. Die Zustimmung bei den beteiligten Gemeinden - in etwa jeder siebenten Gemeinde gibt es inzwischen "Konfi 3" - ist groß.

Knapp drei Viertel der evangelischen Kinder nehmen in den betreffenden Gemeinden an Konfi 3 teil. Konfi 3 wird ganz überwiegend von Müttern getragen und die Kinder gehen fast durchweg gerne in die Gruppentreffen. Offen ist allerdings die Frage, ob man im Jugendalter etwas "nachholen" muss, wenn man als Kind nicht an "Konfi 3" teilgenommen hat. Die Studie empfiehlt deshalb, "Konfi 3" als ein eigenes Angebot für Kinder zu verstehen. Eine Verrechnung mit dem späteren Konfirmandenunterricht sei nicht sinnvoll. Darüber hinaus wünschen sich die Autoren der Studie mehr Vernetzung mit anderen Angeboten für Kinder und Jugendliche in der Gemeinde. Zu klären sei auch, wie bei nicht getauften Kindern mit der Zulassung zum Abendmahl umgegangen werden soll.

In Konfi 7/8 lässt sich vielerorts der Übergang vom Konfirmandenunterricht zur Konfirmandenarbeit beobachten. Die Studie belegt, dass der herkömmliche Konfirmandenunterricht mit seinen traditionellen Lernformen inzwischen weithin abgelöst worden ist durch eine moderne Form der Konfirmandenarbeit, die sich eher an die Jugendarbeit anlehnt als an die Schule. Neben dem Unterricht gehören zur Konfirmandenzeit vielfach Freizeiten, Konfi-Camps, spezielle Veranstaltungen am Wochenende und vieles andere mehr. Die Jugendlichen begrüßen dies mit Nachdruck. Auch für sie gehört beides zusammen - Verstehen und Erleben.

93% aller evangelischen Jugendlichen eines Jahrgangs beteiligen sich an der Konfirmandenzeit. In 84% der Gemeinden sind neben Pfarrerin bzw. Pfarrer weitere Personen in der Konfirmandenarbeit aktiv, zumeist Ehrenamtliche (landesweit 5500), nur selten dagegen Diakoninnen oder Jugendreferenten. Allerdings bezieht sich diese Verbreiterung der Mitarbeitenden noch kaum auf den regelmäßigen Konfirmandenunterricht, sondern zumeist auf Freizeiten und Konfi-Camps sowie Gemeindepraktika und Projektsamstage. Während sich solche Sonderaktionen recht vielfältig darstellen, herrscht an den Nachmittagen oftmals noch ein Mangel an aktivierenden und kreativen Methoden. Und auch für Konfi 7/8 ist die Vernetzung mit der Jugendarbeit ein wichtiges Zukunftsthema.

Als geradezu neuralgisch müssen die Erfahrungen der Jugendlichen mit dem Gottesdienst bezeichnet werden. Dass Gottesdienste zumeist "langweilig" seien, wird von fast der Hälfte der Jugendlichen empfunden. Ist dieses Ergebnis vielleicht für viele, die mit Jugendlichen vertraut sind, nicht weiter überraschend, so muss aber doch der Befund alarmieren, dass sich dieser Negativeindruck während der Konfirmandenzeit deutlich verstärkt. Und mehr noch: Es wird erkennbar, dass diese Unzufriedenheit nicht einfach schicksalhaft gegeben ist, sondern offenbar mit bestimmten Formen der Gottesdienstgestaltung - nämlich solchen ohne aktive Beteiligung der Jugendlichen - zusammenhängt.

Weit stärker als in der Vergangenheit bewusst war, belegt die Studie auch den Beitrag der Konfirmandenarbeit zu Bildung und Werteorientierung, zu sozialem Lernen und ehrenamtlichem Engagement. Mit der Begleitung der jährlich knapp 30.000 Konfirmandinnen und Konfirmanden betreibt die württembergische Landeskirche eines der größten außerschulischen Bildungsfelder - Grund genug, um sich in den aktuellen Debatten - auch um den schulfreien Mittwochnachmittag im Konfirmandenalter - selbstbewusst zu Wort zu melden.

Weitere Informationen zu der Studie

Seit 2006 wird am Lehrstuhl für Religionspädagogik der Evangelisch-theologischen Fakultät in Tübingen empirisch zur Konfirmandenarbeit geforscht. 94 Interviews und über 3000 von Jugendlichen, Eltern, Ehrenamtlichen und Pfarrer/innen ausgefüllte Fragebögen bilden die Grundlage für die nun vorgelegten Ergebnisse zur Konfirmandenarbeit in Württemberg.

Die württembergische Untersuchung ist mit weiteren Studien vernetzt: einer bundesweiten Untersuchung zur Konfirmandenarbeit, deren Ergebnisse vor kurzem in Berlin vorgestellt wurden, und einer internationalen Vergleichsuntersuchung in sieben europäischen Ländern (Dänemark, Deutschland, Finnland, Norwegen, Österreich, Schweden, Schweiz). Der Tübinger Lehrstuhl ist mit einem Team an allen diesen Untersuchungen maßgeblich beteiligt.

Die ausführlichen Ergebnisse des Forschungsprojekts wurden in einem Buch veröffentlicht, das im Gütersloher Verlagshaus erschienen ist. Für eilige Leserinnen und Leser enthält es eine Zusammenfassung auf knapp 30 Seiten:

Cramer, Colin/Ilg, Wolfgang/Schweitzer, Friedrich: Reform von Konfirmandenarbeit - wissenschaftlich begleitet. Eine Studie in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Gütersloher Verlagshaus 2009.