20.07.2012

Religionsfreiheit vs. Kindeswohl?!

Kategorie: Allgemein, TOP-News
Vor zwei Wochen fällte das Landgericht Köln Urteil, dass die Beschneidung eines muslimischen Jungen durch einen muslimischen Arzt als (einfache) Körperverletzung zu bewerten ist. Der Arzt wurde freigesprochen, dennoch schlug dieses Thema hohe Wellen, und das vorallem in jüdischen und muslimischen Gemeinden.

Im Grunde geht es um die Frage, inwieweit das Erziehungsrecht der Eltern eine in diesem Fall religiös begründete Körperverletzung ermöglichen darf, oder ob das Kindeswohl und das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit höher wiegen.

Der Fall der Beschneidung von Jungen ist bei dieser Frage zudem ein  Sonderproblem. Denn im Gegensatz zu anderen Praktiken, seien sie religiös bzw. kulturell (wie die brutale Beschneidung von Mädchen, die in Deutschland aus gutem Grund verboten ist), oder medizinisch begründet (wie Impfungen, Blutabnahme, Abschneiden z.B. eines “überflüssigen” sechsten Fingers/Zehs bei der Geburt) sind die Auswirkungen auf das seelische und körperliche Wohlergehen des Jungen umstritten. Eine einheitliche medizinische Meinung scheint sich bis dato nicht durchgesetzt zu haben.

Für uns sind einige Aspekte wichtig:

  • Religionsfreiheit ist ein hohes Gut in Deutschland, das gilt bedingt durch die leidvolle deutsche Geschichte insbesondere für die Ausübung des jüdischen Glaubens.
  • Auf der anderen Seite ist das (körperliche und seelische) Wohl der Jungen wichtig und sollte möglichst wenig verletzt werden.
  • Wie bei jedem medizinischem Eingriff und jeder Operation kann es auch bei der Beschneidung zu Komplikationen und nicht mehr reparablen Schäden kommen. Dies gilt aber auch für andere Eingriffe in den kindlichen Körper, seien es Impfungen (die häufig zu Problemen führen und medizinisch teilweise umstritten sind) oder sei es die Entfernung von Mandeln oder Polypen. Der überwiegende Großteil der OPs und Behandlungen verläuft ohne Probleme.
  • Welchen (angenommenen) Nutzen die Beschneidung hat (rel. Zugehörigkeit, Hygiene, Verhinderung von Selbstbefriedigung, Behebung einer Vorhautverengung etc.), ist für die Diskussion weniger wichtig, da jede Begründung (bis vllt. auf die Vorhautverengung) eine gesellschaftlich legitimierte sein kann. Auf jeden Fall müsste gleiches Recht für alle gelten.
  • Die Religionsfreiheit des Kindes ist durch eine Beschneidung aber nicht gefährdet. Schließlich kann sich das Kind später immer noch entscheiden, welche Religion es annimmt. Dadurch wächst ihm natürlich keine Vorhaut, aber 1. gibt es auch Beschneidungen ohne religiösen Bezug und 2. ist das Fehlen der Vorhaut kein Ausschlusskriterium für eine andere Religion oder eine Begründung für den Atheismus. Andersrum ist aber die Fehlende Beschneidung ein Problem für das religiöse Verständnis des Judentums.

Dringend nötig ist aber auf jeden Fall eine eindeutige gesetzliche Regelung, die sowohl den Eltern, als auch den Ärzten rechtliche Sicherheit bringt.

 

Kathi, Katharina und Daniel