10.06.2000

Protokoll: 7. LJV-Treffen

Kategorie: LJV-Treffen
am 27. / 28. Mai 2000 in Gladbeck / KK Gladbeck-Bottrop-Dorsten

am 27. / 28. Mai 2000 in Gladbeck / KK Gladbeck-Bottrop-Dorsten


Das siebte LJV-Wochenende fand am 27. und 28. Mai in Gladbeck statt. Schwerpunktmäßig ging es dabei um Gemeindeselbstvertretungen (GJV), also darum, wie Jugendliche  vor Ort ihre Meinung und ihre Ideen in der Gemeinde zu Gehör bringen können.



Ankunft und Small-Talk

Während sich so langsam die Leute einfinden, hängen schon ein paar Plakate im Plenumsraum, auf denen die Teilnehmenden ihre Erwartungen und Fragen an das Wochenende bannen sollen. Plakat Nr. 1 steht unter dem Motto „Mich interessiert besonders an einer GJV...“, das zweite „Auf diesem Wochenende möchte ich folgendes erfahren...“ schließlich das letzte: „Ich selber mache...“. Nach dem Einfinden, Kaffee trinken und Pläuschchen halten und eben dem Plakate beschriften geht es zunächst weiter mit etwas Organisatorischem: Infos zum Haus, Ablauf des Wochenendes, da übliche halt.



Erwartungen an das Wochenende

Es folgt eine kurze Vergegenwärtigung dessen, was die Teilnehmenden ganz zu Anfang auf die Plakate geschrieben haben. Hier nur in Auszügen:

1) Besonderes Interesse: Wofür ist eine GJV gut und was ist das genau? Wie gründet man eine GJV? Hat eine GJV per se Mitbestimmungsrechte?

2) Erwartungen für das Wochenende: Von anderen zu hören, die schon Erfahrungen mit Jugendselbstvertretungen haben. Die LJV kennen lernen. Mehrere Möglichkeiten erfahren, wie sich die Jugendlichen in der Gemeinde vertreten können.

3) Selber mache ich: Offene Tür; Kindergruppe und Kinder-Bibelwoche; reflektierte Jungenarbeit, Jugendgottesdienste, Jugendgruppe; bunter Querschnitt.



Einführung ins Thema

Christoph hält ein kleines Referat, warum Jugendselbstvertretungen notwendig sind. In der Anlage ist das noch mal nachzulesen.[1] Das Plädoyer wirft schon einige Fragen auf, die im weitern kontrovers diskutiert werden. U.a. In wie weit muss eine GJV in die Ausschüsse einer Gemeinde (Presbyterium, Jugendausschuss) eingebunden sein? Was ist mit den bezahlten Mitarbeitern, wieso sollen die eigentlich nicht dabei sein? Was ist, wenn es plötzlich eine GJV gibt, und keiner geht hin?



Bildung der Arbeitsgruppen

Es bilden sich folgende drei Arbeitsgruppen: 1) AG Gründung einer GJV, die Erfahrungen mit Gemeindeselbstvertretungen zusammentragen will und Grundfragen klären will. 2) AG Positionspapier aej, die versucht eine Stellungnahme der LJV zu einem Papier der aej NRW zu verfassen.[2] 3) AG Kirche mit Zukunft, die sich in ein gleichnamiges Heftchen der Kirchenleitung der Westfälischen Kirche einliest.[3]

Die Arbeitsgruppen setzen sich den Nachmittag zusammen, machen Pause, machen weiter, und stellen am Abend ihre Ergebnisse im Plenum vor.



Ergebnis der Arbeitsgruppen



AG Gründung einer GJV

Die Arbeitsgruppe erstellt einen „Laufzettel“, der den (steinigen J) Weg bis zur Gründung einer GJV beschreibt. Einfach nachmachen und fertig ist die Laube! Den Laufzettel findet ihr unten in der Anlage.[4] Aus den Diskussionen in der Arbeitsgruppe und später im Plenum wird deutlich, dass einige Grundfragen zu klären sind. Die sind größtenteils auf dem Treffen benannt worden und sollen im weitern als FAQs[5] herausgegeben werden. Angedacht ist, die gesammelten Werke der LJV zusammen mit weitern Materialien zu Gemeindejugendvertretungen einmal in einer Publikation zu verewigen.



AG Positionspapier aej

Das Positionspapier der aej NRW wird dem Plenum vorgestellt. Für Diskussionen und mehrheitlich Empörung sorgt die darin getroffene Aussage, ehrenamtliche Mitarbeit von Jugendlichen sei ohne die Begleitung durch entsprechend ausgebildete Fachkräfte nicht verantwortbar. Das Plenum stimmt den Kritikpunkten, die die Arbeitsgruppe erarbeitet hatte zu und beauftragt sie, in diese Richtung eine Stellungnahme zu verfassen. Das Ergebnis steht in der Anlage.[6] Hier sei noch einmal darauf hingewiesen, dass das ganze Papier der aej NRW sich auf der LJV-Homepage befindet und wegen seiner Länge hier nicht abgedruckt werden kann.



AG Kirche mit Zukunft

Die Arbeitsgruppe hat die Vorlage der Kirchenleitung sondiert und ist ganz angetan davon. Sie stellt Ansatzpunkte im Papier vor, an denen es sich lohnen würde, sich zu beteilige. Es wird schnell klar, dass das ganze Teil eine Menge an Diskussionsstoff bietet. Die Delegierten beschließen, dass sich die LJV weiter mit dem Thema befassen soll und dass sie sich in den Diskussionsprozess um die Vorlage, die durch alle Presbyterien, Kreissynoden etc. gehen wird, einklinken soll. Der ganze Prozess ist von der Kirchenleitung längerfristig angelegt, deshalb ist keine Eile geboten. Dazu soll zunächst eine Tagesveranstaltung zum Thema stattfinden. Der Termin ist Samstag, 12. 8. 2000 um 12 Uhr in Lippstadt.[7] Weiter soll das nächste LJV-Treffen unter dem Thema stehen. Es soll versucht werden einen guten Gesprächspartner für das Thema zu gewinnen, der Präses wäre den Anwesenden lieb.



Der Große Scheiß

Nach dem Abendessen gibt es noch ein nettes Spielchen mehr oder weniger zum Thema. Wer dachte, bei albernen Quiz-Shows auf der sicheren Seite zu sein, hatte sich geschnitten: Er kannte die Spezial-Regeln nicht. Aber das kann man ich erzählen, muss man einfach erleben. Vielleicht beim nächsten Mal! 21:30h Bettruhe, keine Party. Morgen ist ein anstrengender Tag.



Gottesdienst-Check[8]

Ausgeruht und frohen Mutes gehen wir in den Gottesdienst. Der ist auch gleich nebenan – ein Konfirmationsgottesdienst mit Band. Das klang gut, aber eigentlich war es mäßig. Nicht schlecht, aber auch keine Höchstnoten.



Abschlussplenum

Es werden noch für ein Stündchen Absprachen gesprochen und alles Diskutiert, was noch offen war.



Öffentlichkeitsarbeit

Um für das nächste Treffen möglichst viele Vertreter aus den Gemeinden dabei zu haben, soll noch mal eine umfangreiche Info-Sendung an die Kirchengemeinden geschickt werden. Da jetzt ohnehin die Delegierten-Meldungen anstehen, soll der Versand nach Möglichkeit bis zum Ende der Sommerferien erfolgen.



Kirchentag in Frankfurt

Es wir beschlossen, sich mit einem Stand auf dem Kirchentag in Frankfurt zu beteiligen. Der Kirchentag findet statt vom 13. 06. – 17. 06 2001. Der Stand wäre zusammen mit anderen Landesjugendvertretungen. Es ist klar, dass das nur möglich sein wird, wenn sich entsprechend viele Leute daran beteiligen werden. Kosten wären ca. 1500 DM incl. Standmiete und Ausstattung.



Termine 2001

03./04. 02. 2001 voraussichtlich in Steinfurt-Coesfeld-Borken

19./20. 05. 2001 voraussichtlich in Lippstadt

22./23. 09. 2001 wo auch immer



-Ende-

Nächstes LJV-Treffen in Lienen (KK Tecklenburg) am 16./17. 09. 2000





Anlagen

1. Plädoyer für Jugendselbstvertretungen in den Gemeinden

2.  Laufzettel zur Gründung einer GJV

3. Stellungnahme zum Positionspapier der aej NRW



Anlage 1:



Dann mach ich’s mir eben selbst!

Jugendselbstvertretung in den Gemeinden.



Ein Plädoyer zum Eingang der 7. LJV-Vollversammlung am 27./28. Mai 2000 in Gladbeck. © Landesjugendvertretung in der Evangelischen Kirche von Westfalen (LJV) / Christoph Urban



Die Interessen von Kindern und Jugendlichen sind in der Kirche bestens vertreten. Sollte man meinen. Schließlich ist unsere Landeskirche presbyterial-synodal aufgebaut, meint, dass sie basisdemokratisch funktioniert. Alles ist ganz einfach: Jugendliche (die ab 16) und deren Personensorgeberechtigten wählen natürlich bei Presbyteriumswahlen (so sie denn stattfinden) den Vertreter oder die Vertreterin, der/die sich für ihre Belange am besten einsetzt. Also ist für jeden gesorgt. Jeder und jede bekommt in unserer Kirche Gehör, und das bis in die höchsten Ebenen. Denn diese Menschen aus dem Gemeindevorstand wählen wieder die Vertreter für den Kreis und die wählen ihrerseits die Vertreter fürs Land. Klingt genial einfach, aber stimmt das???



Erleben Jugendliche in den Gemeinden nicht, dass ihre Probleme eben keineswegs angesagt sind und vieles andere viel, viel wichtiger ist? Dass die Einrichtung des neuen Jugendraumes oder das leidige Problem, wer einen Schlüssel für das Gemeindehaus erhält, hinter verstopften Dachrinnen und dem unregelmäßig geleerten Bio-Müll zurücktreten müssen? Und erleben sie nicht, dass egal auf welcher Ebene, gemeindlich, kreiskirchlich oder landeskirchlich, sie zwar gerne als geradezu Jungbrunnen für verstaubte Gremien betrachtet werden. Aber ihre Ideen an den oft beschworenen Sachzwängen (das ist meistens Geld) scheitern. Dann hört man wieder alte Leier, wie so oft: Die richtigen und wichtigen Entscheidungen müsse man schon den alten Hasen überlassen, denn die kennen sich aus. Und überhaupt, bekommen wir dann zu hören, hätten die Jugendlichen es ja nicht so gemeint, wie sie es gesagt haben, sondern wollten in Wirklichkeit etwas ganz anderes mit ihren Ideen und Vorstellungen zum Ausdruck bringen. Was das ist, wissen wieder die alten Hasen. Und sie haben gerade zu elterliches Verständnis, die Jugendreferenten, Pfarrer oder Jugendpresbyter.



Was soll der Quatsch? Jugendliche haben es nicht nötig, ihre Interessen ganz fürsorglich durch selbsternannte Schutzfrauen und –männer vertreten zu lassen. Nicht allein, weil die selbstlosen Damen und Herren, sich am Ende doch nicht als so selbstlos entpuppen. Nein, vielmehr noch, weil die Jugendlichen es selber können! Getreu nach unserem Motto: Wir können es uns selbst machen. Ohne Witz jetzt: Über die Belange der örtlichen Jugendarbeit müssen die Jugendlichen selbst entscheiden, denn sie sind die Experten und kennen sich dementsprechend aus. Es kann nicht angehen, dass weiter nur die Leute über die Jugendarbeit entscheiden, die entweder Berufsjugendliche sind oder bei der Evangelischen Jugend angestellt. Im Vergleich wäre das ja so, als wenn ein Manager sein eigener Aufsichtsrat wäre. Beim Fußball nennt man das dann wohl Ottokratie, in der Politik undemokratisch, bei uns Normalität.



Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen, was wir an diesem Wochenende thematisieren werden ist keine Revolution von unten, oder etwas völlig unanständiges (trotz des Mottos). Es handelt sich hier um einen ganz  normalen Akt, den andere Organisationen und Betriebe schon längst begriffen haben: Entscheidungen, sofern sie getroffen werden können, müssen dahin, wo sie hingehören. In bezug auf die Jugendarbeit unserer Landeskirche heißt das, zu den Jugendlichen selber. Entscheidungen über die für die Jugendarbeit zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel; Entscheidungen über die Einstellungen von Jugendreferenten und über die Ausgestaltung dieser Stellen; Entscheidungen über Anschaffungen und Aktionen; Entscheidungen über Inhalte, Profile und Ziele der gemeindlichen Jugendarbeit. Kaufen wir eine Deckenleuchte oder einen Wandteppich? Machen wir eine Sommerfreizeit oder eine Kinderferienaktion? Macht unser Hauptamtlicher eine Jugendgruppe oder setzt er sich in den Kreiskirchlichen Jugendausschuss? Gibt’s die Cola im Offenen Treff aus Flaschen oder Dosen? Entscheidungen müssen dahin, wo sie hingehören.



Um das zu gewährleisten brauch es selbständige, nur von Jugendlichen besetzte Jugendvertretungen. Es müsste wohl klar sein, warum die einzelnen Modelle gemeindlicher Jugendausschüsse nichts taugen, die mit Jugendlichen und Presbytern bzw. Jugendreferenten und Jugendpfarrern zugleich besetzt sind. Egal, wie nun letztendlich das Zahlenverhältnis von Bezahlten zu freiwillig Engagierten aussieht, jeder halbwegs normale Jugendliche wird sich das nicht lange antun. Ausschüsse dieser Art sind stinkend langweilig und man wird nach Strich und Faden verarscht! Jedenfalls braucht man wohl eine gehörige masochistische Ader dafür. In Klammern: Dieses LJV-Wochenende ist gerne auch Selbsthilfegruppe für Diejenigen, die es trotzdem nicht lassen können.



Dennoch führt nichts daran vorbei: Eine Gemeindejugendvertretung braucht der Mensch, alles andere wäre inkonsequent, aus den diversen Gründen, die schon angeklungen sind und die wir noch weiter zu diskutieren haben. Das wird auf diesem Wochenende, in hoffentlich breiter Form, geschehen können. Ein Schwerpunkt soll auf der konkreten Umsetzung des Vorhabens Gemeindejugendvertretung liegen. Wie kriegen wir es hin, eine Form der Jugendvertretung auszuüben, die auf der einen Seite Bock macht, kreativ und innovativ ist, auf der anderen Seite aber auch verantwortlich die Aufgaben erfüllt, die eine solche Vertretung eben mit sich bringt?



Ich wünsche uns eine schöne Zeit!



Anlage 2:

Laufzettel zur Gründung einer Gemeindejugendvertretung (GJV)

© Landesjugendvertretung in der Evangelischen Kirche von Westfalen (LJV) / AG Gemeindejugendvertretung

Also, mal der Reihe nach. Ihr wollt eine Gemeindejugendvertretung gründen? Wunderbar! Patentrezepte gibt es da natürlich nicht, aber das hier kommt dem schon sehr nahe.



Der erste Streich: Menschen Zunächst sind natürlich die Leute das wichtigste, die man brauch, um wirklich ernsthaft sagen zu können, man sei jetzt die neue Jugendvertretung (GJV als One-Man-Show kommt verständlicherweise nicht so gut und hat freilich nichts mit Demokratie zu tun). Also, die Leute. Sie sollten aus möglichst allen Gruppen der gemeindlichen Jugendarbeit kommen. Das ist nicht nur in der späteren Arbeit hilfreich, sondern es beugt auch dem vor, dass sich nicht irgend jemand übergangen oder nicht gefragt fühlt (Das ist sehr wichtig bei Kirchens). Selig, wer einen Mitarbeiterkreis oder eine Jugendvollversammlung vor Ort hat, denn das erleichtert es ungemein, die Leute anzusprechen. Hat man erst mal die entsprechenden Leute im Visier, geht es daran, Überzeugungsarbeit zu leisten. Mit platten Parolen („Wir sind das Volk, keine Macht für Niemand!“) wird hier kein Blumentopf zu gewinnen sein. Ihr müsst schon ganz genau wissen, warum es eine GJV in Euer Gemeinde brauch (Dass dem so ist steht natürlich außer Frage, aber begründen muss man es halt können). Es wird genug Leute geben, die das überhaupt nicht interessieren wird, nicht abschrecken lassen. Andere (auch Jugendliche) werden finden, dass es in der Jugendarbeit Euer Gemeinde doch eigentlich ganz gut liefe und eine Menge Mitsprachemöglichkeiten habe man schließlich auch. Solche oder ähnliche Einwände werden gegen eine GJV kommen, dagegen argumentieren kann man nur aus der jeweiligen Gemeindesituation heraus. Harte Arbeit liegt vor Euch, aber keine Mission Impossible. Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich.



Der zweite Streich: Vorbereitungstreffen Die Mitstreiterinnen und Mitstreiter sind gefunden, jetzt ist ein erstes Treffen in größerer Runde angesagt. Dazu muss natürlich eingeladen werden. Hier sollten sich alle Beteiligten noch mal zusammen auf das Ziel einschwören, eine Jugendselbstvertretung zu gründen. Bei diesem Vorbereitungstreffen müssen die Rahmendaten Eurer Jugendselbstvertretung geklärt werden. Wie setzt man sich zusammen? Wie oft trifft man sich? Was für eine Satzung gibt man sich? Was will man überhaupt erreichen? Wie tritt man anderen Gruppen in der Gemeinde gegenüber auf, etc.? Beim Stichwort Satzung seid bitte nicht abgeschreckt, es handelt sich im wesentlichen dabei um Regeln, die man gemeinsam festsetzt. Alle diese Fragen müssen verhandelt werden, damit es auf der Konstituierenden Sitzung (= Gründungsversammlung) keine Unstimmigkeiten gibt, denn die sind der Tod im Topf (2. Könige 4, 40) für eine frische GJV. Am Ende sollte froher Mut und ein Termin für die Konstituierende Sitzung stehen, verbunden mit genauen Vorstellungen über die Fragen, die zu klären waren. Dieses war der zweite Streich, doch der dritte folgt sogleich.                                                                                               



Der dritte Streich: Gründungsversammlung Die Konstituierende Sitzung. Wieder sind schriftliche (!) Einladungen vonnöten. Eine Tagesordnung ist ebenso notwendig, wie die Vorlagen (eine Satzung etwa), über die abzustimmen sind. In jedem Fall solltet Ihr einen Vorstand / Sprecherrat mit Vorsitzender oder Vorsitzendem benennen, sowie die Satzung beschließen. Alles das wird natürlich fein säuberlich von einer Protokollantin / einem Protokollanten festgehalten. Das war es eigentlich schon, fehlt noch ein Termin für die erste ordentliche Tagung. Jetzt kann gefeiert werden. Dieses war der dritte Streich, doch der vierte folgt sogleich.



Der vierte Streich: Ziele abstecken Auf der ersten ordentlichen Tagung solltet ihr euch klar werden, was ihr eigentlich erreichen wollt. Die Ziele einer GJV sollten möglichst eindeutig gefasst werden. Sicher sollte Mitbestimmung an vorderer Stelle stehen. Die genaue Ausgestaltung muss geregelt werden. Sollen künftig Paule oder Lissy das Presbyterium in Sachen Jugend beraten? Oder wie kann Mitbestimmung ganz konkret in euer Gemeinde aussehen? Ein notwendiges Übel ist das leidige Thema Geld. Wie kommt man daran? Auf Dauer braucht man natürlich welches, sonst scheitert die Arbeit an der berühmten Mack für den Brief. Es werden sicher Verhandlungen mit dem Presbyterium und den Jugendreferenten über einen Etat (der Geldbetrag, der einer Gruppe zur Verfügung gestellt wird) laufen müssen. Das muss vorbereitet werden. Goldene Regel für den Umgang mit Menschen in Funktion: „Beiße nie in die Hand, die Dich füttert – jedenfalls nicht zu feste!“ Dabei sollte auch die inhaltliche Arbeit auf der ersten Tagung nicht zu kurz kommen. Einmal ist es natürlich der Zweck einer GJV, sich mit Inhalten und nicht nur mit Geld zu beschäftigen, andererseits muss man auch sozusagen in Vorleistung gehen bei den Menschen, „deren“ Kohle man will. Diese Vorleistung könnte als Beispiel darin bestehen, dass man sich mit den Jugendgottesdiensten in der Gemeinde auseinandersetzt. Einen kleinen Fragebogen erstellt, die Aktion durchgeführt und nachher dem Presbyterium vorgelegt: „Wie finden die Jugendlichen den Gottesdienst und was hätten sie gerne anders?“ (Ach, in euer Gemeinde gibt es keine Gottesdienste für Jugendliche? Dafür kann man sich stark machen. Verbunden mit der gleichen Aktion, nur eben unter der Fragestellung: „Wie sollten Gottesdienste für Jugendlich in unserer Gemeinde ausschauen?“) Das dient nur als Beispiel, ihr werdet sicher Sachen finden, die in euer Gemeinde gerade angesagt wären. Dieses war der vierte Streich, doch der Fünfte folgt sogleich.



Der fünfte Streich: Stichworte zur Weiterarbeit Weit gefehlt, wenn Ihr gedacht hattet, es sei nun alles gelaufen. Der wirklich wichtige Part fängt jetzt erst an. Das Stichwort heißt Legitimation (˜ Anerkennung). Allenthalben wird jetzt Druck auf das zarte Pflänzchen GJV ausgeübt werden. D. h. man wird sich riesig freuen, dass es euch gibt, aber gleich auch klarstellen, wer das Sagen hat. Eigentlich ist es egal, wer es ist. Das Presbyterium, Jugendreferenten und –pfarrer oder der Küster, die Eröffnung des Spiels ist immer die selbe. Zuerst wird die allseits beliebte Legitimations-Karte gezogen, die besonders gerne gespielt wird, wenn jemand Geld oder Mitbestimmung will. Und ihr wollt beides! Kurz der Tenor der anstehenden Diskussionen: „Wir können nicht, euch Geld geben / euch Ernst nehmen / einen von euch ins Presbyterium lassen, wenn ihr nicht vorher von XY legitimiert worden seid / das Evangelium bezeugt habt / einen Salto vorwärts könnt.“ Alles Diskutieren bringt nur bedingt etwas. Man sollte sich mit allen Kreisen in der Gemeinde, die etwas zu bestimmen haben aussprechen, sich vorstellen, aber auf keinen Fall rechtfertigen. Ihr könnt immer betonen, dass ihr freie, evangelische Christenmenschen seid, die sich nur vor Gott und dem Herrn Jesus Christus zu rechtfertigen haben. So, oder so ähnlich. Mit der Zeit kommt nicht nur Rat, sondern auch alles weitere: Geld und Mitbestimmung. Dabei muss die Arbeit natürlich fluppen, möglichst erfolgreich versteht sich. Garant dafür ist ein denkbar simples Mittel: Eure Stimme muss so laut sein, dass man euch überhaupt nicht überhören kann. Eine GJV darf sich nicht anbiedern, sie muss sich so positionieren, dass man einfach nicht an ihr vorbei kommt! Das kann man auf unterschiedliche Weise erreichen. Bewährt hat sich ein Ragout aus überzeugender inhaltlicher Arbeit, Außenwirksamkeit durch die lokale Presse, gute Kontakte pflegen, ab und an eine witzige Aktion und ein geeignet Maß Selbstbewusstsein, manchmal Dreistigkeit. Überhaupt ist es ratsam, sich möglichst bald nur noch auf die inhaltliche Arbeit zu konzentrieren, mit strukturellen Problemen (Presbyterium, Delegationen, Formalkram) darf sich der Vorstand rumschlagen. Das ist auch ein gutes Stück Mitarbeitermotivation, denn alles andere wird auf die Dauer dröge. Ja, Mitarbeitermotivation wird neben dem Finden von aktuellen und interessanten Themen zu denen man debattieren und sich äußern kann, das A und O sein. Eine GJV muss so gestrickt sein, dass die Leute, die sich gerade in ihr engagieren sie als ihre je eigene Form der Beteiligung ansehen. Das heißt sie muss immer ein Stück „work in progress“ sein, also nie richtig fertig und immer offen für die Gestaltung der Teilnehmenden. Aber das allerwichtigste ist, eine GJV muss Spaß machen. Das ist wohl auf Dauer gesehen, die einzige Möglichkeit, nicht so langweilig zu werden, wie der Rest dieser Gremienwelt. So verlockend es auch ist, sich der Sicherheit wegen in feste Strukturen einbinden zulassen. Dieses war der fünfte Streich, doch der letzte folgt sogleich.



– Ihr seid nämlich dran!



Anlage 3: Stellungnahmen zum Positionspapier der aej


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[1] Siehe Anlage 1.
[2] Die aej NRW (Arbeitsgemeinschaft Evangelische Jugend in NRW) versucht in diesem Positionspapier Profile evangelischer Jugendarbeit aufzuzeigen. Das Papier ist eine Menge Holz und kann hier deshalb auch nicht vollständig veröffentlicht werden. Es ist aber unter: www.landesjugendvertretung.de einzusehen. Die anstößigen Passagen sind aber auch der LJV-Stellungnahme in der Anlage zu entnehmen.
[3] Das ganze ist ein umfangreicheres Reformpapier der Kirchenleitung für die Landeskirche, lässt sich aber gut lesen. Die Themen gehen quer durch die Bank, ein paar Schlagworte: Mitgliederorientierung, Strukturreform der Kirchenkreise, Pfarrbild etc. das Heft müsste eigentlich alle Presbyter zugeschickt bekommen haben, sonst kann man es bei der Kirchenleitung direkt anfordern.
[4] Siehe Anlage 2.
[5] FAQ = Frequently Asked Questions, also mit Regelmäßig gestellte Fragen (MRgF, nein Scherz!). FAQs findet man überall auf Homepages im Internet, damit derjenige, der die Seite betreut, nicht immer Emails mit den selben Fragen beantworten muss.
[6] Siehe Anlage 3.
[7] Eine Wegbeschreibung nach Lippstadt zum entsprechenden Gemeindehaus gibt es, wenn ihr Euch telefonisch, per Post oder Email anmeldet.
[8] Wer der Gottesdienst-Check noch nicht kennt, findet eine ganze Menge Infos unter www.landesjugendvertretung.de dazu.