29.01.2005

Mitbestimmung Jugendlicher in einer Gremienwelt

Kategorie: Gremien
Auf Landesebene kommen Jugendliche so gut wie gar nicht vor. Die LJV ist keine Ersatzveranstaltung für die Beteiligung Jugendlicher an der kirchlichen Verantwortung und Leitung. Sie ist ein selbständiger Zusammenschluß kirchlich engagierter Jugendlicher....

"Die Mitgestaltung unserer Kirche durch junge Menschen soll sich in vielfältigen Formen vollziehen" heißt es im Beschluß der Landessynode von 1997 zur Hautvorlage. Das ist wohl wahr – aber noch längst nicht realisiert. 1 ½ Jahre nach dem großen Spektakel hat sich nämlich noch nicht viel getan. Im Gegenteil: Mit der Verweigerung der Landessynode, das aktive Wahlrecht für die Presbyterien ab der Konfirmation zu gewähren, ist die einzig greifbare Verbesserung der Stellung Jugendlicher in unserer Kirche abgelehnt worden. Eine Beteiligung Jugendlicher an den Beratungen gab es nicht und selbst das Pädagogische Institut (PI) hielt sich für kompetent genug, die einstimmige Forderung der Jugendlichen von 1997 durch eine eigene, ablehnende Empfehlung zu ersetzen.

Was zur Zeit bleibt ist, die bestehenden Kirchenstrukturen für Jugendliche offener und attraktiver zu gestalten:

Nach einer Umfrage des Amtes für Jugendarbeit gibt es offenbar in fast 2/3 aller Gemeinden keine Jugendausschüsse (und in ungezählt vielen wird es überhaupt keine Jugendarbeit geben!). Wenigstens auf Gemeindeebene müssen Jugendliche und Kirchenleitende (Presbyter, Pfarrer) kontinuierlich im Gespräch sein. Jugendausschüsse sind unabdingbar notwendig, gerade auch, wenn es wenig Kinder- und Jugendarbeit zu regeln gibt: Dann nämlich ist es Aufgabe des Jugendausschuß', die Voraussetzungen zu schaffen, daß Kinder und Jugendliche in ihre Gemeinde kommen können. Darüber hinaus müssen Jugendliche bestimmte Bereiche wie in jedem Jugendverband selbständig regeln: Die LJV wird - wo immer möglich - die Gründung von Gemeindejugendvertretungen (GJV) unterstützen.
In den synodalen Jugendausschüssen sind nur 18% der Mitglieder Ehrenamtliche unter 27 Jahren, wie uns dieselbe Umfrage aus Villigst wissen läßt. Von einer paritätischen Besetzung sind wir damit noch meilenweit entfernt – zumal wenn schon 40% der Ausschußmitglieder beruflich im Dienst der Kirche stehen. Hier müssen sicherlich nicht nur ehrenamtliche Erwachsene und Hauptamtliche Platz machen, sondern es muß in vielen Fällen die Arbeitsweise so geändert werden, daß sich Jugendliche darin wiederfinden können.
Auf Landesebene kommen Jugendliche so gut wie gar nicht vor. KKJW, Jugendkammer und aej NW können – soweit sie dies überhaupt wollen – im Augenblick nicht beanspruchen, die Interessen Jugendlicher auch nur annähernd authentisch zu vertreten. Nach dem Beschluß der KKJW, künftig wieder unter der Woche zu tagen, ist für uns auch nicht erkennbar, wie sich dies in absehbarer Zeit ändern soll. Und hier gilt noch viel mehr als auf Kirchenkreisebene: Die verhandelten Themen haben äußerst wenig mit dem zu tun, was Jugendliche und ehrenamtliche Jugendmitarbeiter beschäftigt. Wenn Jugendlichen ernsthaft eine Beteiligung an der Verantwortung für ihren eigenen Arbeitsbereich ermöglicht werden soll, muß sich die KKJW für Jugendliche öffnen und müssen Jugendliche – über die vorgesehenen Wege - in die Beratungen der Jugendkammer, der aej und der Landessynode einbezogen werden.
Die LJV ist keine Ersatzveranstaltung für die Beteiligung Jugendlicher an der kirchlichen Verantwortung und Leitung. Sie ist ein selbständiger Zusammenschluß kirchlich engagierter Jugendlicher. Die LJV-Treffen sind eine fröhliche, spaßige und ergiebige Form des Austauschs untereinander, der Diskussion und Meinungsbildung. Es bleibt weiterhin eine wesentliche Aufgabe der LJV, die Fortentwicklung der bestehenden und wichtigen Kirchengremien kritisch-konstruktiv zu begleiten. Ganz so, wie es in der Kinder- und Jugendcharta der EKvW heißt: "Eine zum Glauben einladende Kirche ist eine kinder- und jugendfreundliche Kirche. Sie läßt sich durch Kinder und Jugendliche prüfen, lernt von und mit ihnen und lädt sie zur Mitgestaltung von Gemeinde und Gesellschaft ein."

(3. LJV-Treffen, 24. Januar 1999)