06.09.2009

LJV hat erfolgreich ihr Modell "Jugendsynode" auf kommunaler Ebene getestet

Kategorie: Jugendforum
Es war ein Experiment und es ist vortrefflich geglückt

Es war ein Experiment und es ist vortrefflich geglückt: ein Jugendforum mit ausschließlich per Zufall ausgewählten jugendlichen Teilnehmern. Eine Arbeitsgruppe der LJV hatte dieses vorbereitet und in den Sommerferien in Bochum durchgeführt. Die Resonanz war sensationell.Die Idee, Jugendpartizipation einmal nicht über den üblichen Weg zu organisieren, indem man Aktive einlädt oder wählt, sondern indem man per Zufallslos einen repräsentativen Querschnitt bildet und diese Jugendlichen über ihre Themen beraten lässt, hatte die LJV erstmals vor zwei Jahren vorgestellt. Damals ging es auf Betreiben der LJV darum, die Jugend in die Landessynode als höchstes beschlussfassendes Gremium unserer Landeskirche einzubinden. Dazu hatte die LJV vorgeschlagen, keine Delegierten zu benennen, sondern aus allen aktiven Jugendmitarbeitern einige zufällig auszuwählen und diese stellvertretend für alle als "Jugendsynode"  diskutieren und entscheiden zu lassen. Der Vorschlag fand zwar ein großes Echo, innerhalb der EKvW wurde er aber kaum diskutiert. So lag die Idee ersteinmal auf Eis. Nachdem sich weder innerhalb der Landeskirche noch innerhalb der Jugendverbände die Möglichkeit ergab, wenigstens einen Testlauf durchzuführen, probierte die LJV nun mit Hilfe des Landesjugendamtes die Idee auf kommunaler Ebene aus:

29 Bochumer Jugendliche sollten vom 10. bis 13. August vier Tage lang über Jugendpolitik beraten und eigene Vorschläge für Politik, Jugendorganisationen und Schulen entwickeln. Dazu wurden Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip vom Einwohnermeldeamt ermittelt und von der LJV-Arbeitsgruppe zu einem ersten "Jugendforum als Citizens' Jury" eingeladen. Citizens Jury ist der internationale Begriff für solche Gremien mit ausgelosten TeilnehmerInnen (zu Deutsch meist "Planungszelle").
Trotz knapper Zeit war die Zusagequote weit besser als erwartet, und so fanden sich schnell 29 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren in einem Bochumer Gemeindehaus ein. Die Themen ihrer Jury-Beratungen hatten sie teilweise selbst vorgeschlagen, teilweise waren sie vom Organisationsteam vorbereitet worden.
Und so ging es um die gymnasiale Schulzeitverkürzung G8, Stundentafeln und Lehrerqualifikationen, um Jugendverbände als Bildungseinrichtungen, um gesetzlichen Jugendschutz insbesondere beim Alkoholkonsum, um Kinder- und Jugendparlamente und um die Kommunalpolitik (auch im Hinblick auf die Wahl am 30. August.
Viele Referenten waren bereit, auch kurzfristig, nachdem sich die Jugendlichen für ein Thema entschieden hatten, die Beratungen mit ihrem Knowhow zu unterstützten, darunter auch die Oberbürgermeisterin von Bochum, Dr. Scholz, sowie Vertreter aller anderen Ratsfraktionen.
Das Verfahren, nach dem eine solche Citizens' Jury abläuft, ist auf der LJV-Projektwebsite ausführlich beschrieben. Auch die Ergebnisse dieses Jugendforums sind dort dargestellt. Vor allem zwei Punkte, die intensiv beraten wurden und zu denen eindeutige Voten formuliert wurden, seien hier genannt: in puncto Alkohol soll es nach der Ansicht der Jugendlichen bei den derzeitigen gesetzlichen Regelungen bleiben. Sie waren also weder für eine Verschärfung noch für eine Aufweichung des sogenannten gesetzlichen Jugendschutzes. Zum anderen forderten sie einstimmig die Einrichtung eines Kinder- und Jugendparlaments in Bochum.   
Das Verfahren Citizens' Jury kam bei den Teilnehmern sehr gut an. Zwar ist die Evaluation, die von einem externen Institut durchgeführt wird, noch nicht abgeschlossen, doch auf einem Fragebogen am Ende der viertägigen Arbeit äußerten alle, dass sie Freunden zur Teilnahme an einem solchen Projekt raten würden, wenn sie eine Einladung erhalten. Mit Themenauswahl, Moderation und Projektleitung waren di Jugendlichen überaus zufrieden (Evaluationsbericht des Nexus-Instituts folgt).

Die Kommunalpolitiker versprachen, die Voten des Jugendforums ernst zu nehmen. Die Jugendlichen selbst forderten eine Überprüfung der Umsetzung.
Aufgrund dieses Erfolges werden für das nächste Jahr weitere Citizens' Juries geplant. Mehr dazu: Fernsehbericht WDR; Fotostrecke Ruhr-Nachrichten; Zeitungsbericht zum Start; Zeitungsbericht zu den Ergebnissen.