16.11.2007

Landessynode schreit nach neuen Beteiligungsformen

Kategorie: Landessynode
Die nun zuende gehende aktuelle Delegiertenversammlung der EKvW (Landessynode ) war ein guter Beweis, wie dringend alternative Beteiligungs- und Entscheidungsformen in dieser Kirche Not tun.

Die nun zuende gehende aktuelle Delegiertenversammlung der EKvW (Landessynode ) war ein guter Beweis, wie dringend alternative Beteiligungs- und Entscheidungsformen in dieser Kirche Not tun. Auch wenn das "Kirchenparlament" nicht über den LJV-Vorschlag debattiert hat, eine "Jugendsynode"  nach dem Verfahren der Planungszelle einzurichten, um Jugendliche authentisch zu Wort kommen zu lassen, so hat das Gesamt-Setting doch deutlich gezeigt, dass die altbackene Struktur, die nach dem Peter-Prinzip für größtmögliche Unfähigkeit auf jeder Leitungsebene sorgt, dringend reformbedürftig ist. Aber soweit geht ja unser Vorschlag gar nicht. Es geht nur um einen Diskussionsraum, nur darum, eine Verhandlungsebene zu schaffen: indem eben zufällig ausgewählte Jugendliche aus der Kirche miteinander klären, was wichtig ist, was sich ändern muss, wie man seinen Glauben leben kann, warum Kirche überhaupt noch lohnt.

Das vielbeschworene Vertrauen in die etablierte Struktur hat niemand, der in Kirche etwas bewegen will. Deshalb war auch die professionelle Jugendarbeit vor Ort - und hat mit der Aktion "Auf Jugend bauen" versucht, die Landessynodalen für ihre wichtigen Anliegen zu sensibilisieren. Aber natürlich kann das nicht im Vorbeigehen gelingen, nicht, indem man Mitfünfzigern einen Baustein in die Hand drückt, der sie mahnen soll, die Kirchenjugend und die für sie Tätigen nicht zu vergessen.

Im Prinzip wäre es ja sogar noch schlimmer, wenn solche Aktionen mehr brächten als die Selbstversicherung, nicht kapituliert zu haben vor einem irgendwie vor sich hinwurschtelnden Apparat. Denn was hat das mit Demokratie zu tun, mit Teilhabe, mit Gerechtigkeit, mit Zukunft, wenn durch so eine eher zufällige Begegnung vor dem Assapheum, der Tagungsstätte unserer Landessynode, Entscheidungen beeinflusst werden könnten? Das wäre genau das Lobbying, gegen das im politischen Bereich inzwischen ganze Organisationen antreten - nur eben weit weniger professionell, als es die Automobil-, Tabak- oder Sonstwasindustrie besorgt.

Dass nun künftig zwei Jugendliche an der Landessynode beratend teilnehmen werden, ist ein kläglicher Versuch, Gleichberechtigung unter den Lobbyisten zu schaffen. Ein sinnvolles Leitungsorgan einer Glaubensgemeinschaft wird so weiterhin nicht konstituiert.

Die Landessynode hat keineswegs die gesamte Kirche im Blick. Dafür ist sie selbst viel zu unausgegoren. Sie ist alles andere als repräsentativ, wird dominiert von hauptamtlich bei der Kirche Beschäftigten, überwiegend Theologen, sie hat ihre völlig eigene Uhr, einen eigenen Codex, eine Geschichte, kurz: ein Eigenleben, an dem teilhaben darf, wer sich anpasst und von den Angepassten getragen wird.

Der Präsesbericht - eine Art evangelische Petersplatz-Verkündigung - ging in diesem Jahr wie in praktisch allen Vorjahren nicht nennenswert auf die jugendlichen Kirchenmitglieder ein. Evangelische Jugend ist schließlich nur eines unter Hunderten Teilgebieten im Kirchenverwaltungs-Orbit. 1997 hatten die Blagen ihren Spaß, und damit soll's auch gut sein auf Jahrzehnte.

Natürlich muss die Landessynode reformiert werden, wie auch die Kreissynoden und auch die Presbyterien, die in Westfalen überwiegend nicht gewählt, sondern per Zuruf bestimmt werden. Eine eigenständige Jugendsynode soll dazu nicht mehr und nicht weniger als ein Angebot sein: dass Jugendliche ihre Themen bearbeiten und sagen, wie sie es machen würden, wenn sie denn was zu bestimmen hätten - ohne etwas zu bestimmen zu haben. Und solche Chancen brauchen selbstfredend auch andere Gruppen der Kirche, schlicht weil sie da sind und ein Recht darauf haben, wenigstens wahrgenommen zu werden. Kirchenleitende täten gut daran, alle vorhandenen Kräfte einzubeziehen, sie gewähren zu lassen, sie zu unterstützen, um dann gemeinsam das Beste für den Weg der Nachfolge Jesu Christi zu suchen.
Noch stehen sie alle draußen vor der Tür - mit ihren Transparenten, Flugblättern, Internetauftritten, Unterschriftenlisten, Bittbriefen, Protestsongs. Aber sie drohen nicht mit dem Einfall in die Synode, wie das manch Gott ergebener Synodale empfindet. Sie drohen mit ihrer Abwanderung, mit ihrer Abwendung von Kirche: etwas besseres als den Tod finden sie überall. Das mag, ganz wie in der gegenwärtigen Politik, den meisten Funktionären recht sein. Freuen kann es nur diejenigen, die Kirche abwickeln wollen, die deren Zeit als abgelaufen betrachten. Und sie werden, aller EKD-Kundgebung zum evangelisch Kirchesein zum Trotz, immer mehr.

Timo Rieg