04.11.2011

Kein Bock auf Jugendparlament (?)

Kategorie: Jugendparlament
Immer wieder kommen Kinder- und Jugendparlamente nicht zustande, weil es an Kandidaten für die Wahlen fehlt oder weil gewählte Vertreter abspringen. Vieles spricht dafür, dass diese Parlamentsform nicht das Richtige ist, um Jugendliche an (Kommunal-)Politik zu beteiligen und sie ihre eigenen Belange selbst regeln zu lassen.

Einige aktuelle Beispiele für Probleme mit Kandidaten bzw. Mitwirkenden in Kinder- und Jugendparlamenten:

Bad Säckingen

Bareuth

Trier

Wiesbaden

Auch wenn diese Parlamente nicht von Parteien gebildet werden - der ganze Ablauf ist doch so, wie man es eben von der Parlamentsarbeit und von Stadträten etc. (die ja keine Parlamente sind!) kennt. Die "Jungparlamentarierer" werden dabei von Sozialpädagogen begleitet und von Erwachsenen beobachtet, der Ablauf, das Ambiente - alles folgt dem Vorbild der Erwachsenen. Dabei ist doch auch die politische Gremienarbeit dort nur für sehr wenige interessant.

In Ramsloh, Gemeinde Saterland, beabsichtigt die Politik ernsthaft, die Mitglieder des Jugendparlaments für fünf Jahre wählen zu lassen (Meldung hier). Dass dies nicht klappen kann, liegt doch auf der Hand. In fünf Jahren verändert sich (bei Jugendlichen) so viel, dass kaum einer diese Zeit durchhalten wird - ganz abgesehen davon, dass die Jugendlichen, um die es in vier Jahren geht, "ihre" Vertreter nicht gewäht haben.

Einige Punkte, die nach Ansicht der LJV AG Partizipation gegen Kinder- und Jugendparlamente sprechen:

* Wahlen sind hoch-selektiv, es wird vor allem für die kandidatur nur ein kleiner Teil der Jugendlichen angesprochen.

* Es wird nur ein kleiner Teil der Jugend aktiv beteiligt.

* Das Verfahren (mit Tagungen im Rathaus, Anträgen etc.) ist nicht jugendgemäß; vielmehr sollen Jugendliche auf das eingeschworen (oder trainiert) werden, was man in der Berufspolitikerwelt braucht.

* Öffentlichkeit ist zwar immer gut, aber Eltern und Großeltern als Zuhörer bei öffentlichen Jugendparlamentssitzungen behindern das freie Reden - stattdessen wird für Presse, Zuschauer und vermeintlich wichtige Persönlichkeiten gesprochen.

* Bei Wahlen geht es überwiegend um Nasen, weniger um Inhate.

* Durch die pädagogische Begleitung und die Einbindung ins System von Kommunalpolitik und Verwaltung werden selten echte Jugendmeinungen und -ideen artikuliert.

* In der Praxis zeigt sich: die JuPa sollen Partys organisieren, Seminare und Gedenkveranstaltungen anbieten - aber sie machen nur selten Politik und schon gar nicht "gegen" ihr Rathaus.

Es gibt sicherlich viele Jugendparlamente, da läuft alles super - das soll hier nicht bestritten werden und daran gibt es dann auch nichts zu maulen. Aber dass so viele Versuche, Jugendliche zu beteiligen, weiterhin immer auf diese Form KiJuPa hinauslaufen und oft schon im Ansatz zum Scheitern verurteilt sind, sehen wir eben sehr skeptisch. Es gibt viele andere Möglichkeiten, die LJV hat nur eine davon ja intensiv bearbeitet und auch ausprobiert, die Citizens' Jury.