19.10.1998

Gottesdienste müssen jugendgerechter werden

Kategorie: Arbeitsgruppen News
Jugendliche aus der westfälischen Kirche machten am Sonntag (18. 10. 1998) die Probe aufs Exempel. Anläßlich einer Vollversammlung der Landesjugendvertretung der evangelischen Kirche von Westfalen besuchten die jungen Leute einige exemplarisch ausgewählte Gottesdienste in Bielefeld, um diese in puncto "Jugendgerechtigkeit" abzuklopfen. Hintergrund ist die Tagung der Landessynode, also des Kirchenparlamentes, die momentan in Bielefeld stattfindet. Sie hatte im letzten Jahr beschlossen Gottesdienste für Jugendliche attraktiver zu gestalten und sich vorgenommen ihr Anliegen in die Gemeinden und Kirchenkreisen zu tragen.

Höchstnoten erteilten die Jugendlichen dabei nur einem Familiengottesdienst der anläßlich einer Kinderbibelwoche gefeiert wurde. Von den normalen, sonntäglichen Gottesdiensten waren sie eher enttäuscht. Eine modernere Gestaltung der Gottesdienste, durch Einbeziehen von Medien etwa, wie von der Landessynode im letzten Jahr angeregt, sei nicht zu erkennen gewesen, so die jungen Leute. Ein krasses Negativbeispiel gab ein Pfarrer ab, der seinen Gottesdienst abspulte, ohne andere Menschen zu beteiligen. Sogar die beiden Schriftlesungen hielt er allein und verschwand am Ende gar ohne seine Gemeinde zu verabschieden, durch den Hinterausgang.

Christoph Urban, Vertreter der LJV, fasst die Ergebnisse vorläufig, wie folgt zusammen: "Unsere Landeskirche ist von ihrem Ziel, alle Gottesdienste attraktiver für Jugendliche zu gestalten leider noch sehr weit entfernt."

Es werde darauf ankommen, das Problem weiterhin öffentlich zu behandeln und auch die Beschlüsse der Synode zum Thema "Gottesdienst" mit mehr Leben zu füllen. Die Jugendlichen schlagen vor, verstärkt das Bewußtsein der Pfarrerschaft für jugendgerechte Gottesdienste zu schärfen und sie von landeskirchlicher Seite mit umfassenderen Arbeitshilfen auszustatten.Die Landesjugendvertretung jedenfalls ist daran interessiert, die Aktion "Kinder- und Jugendgerechter Gottesdienst" auszuweiten. Sie gibt Checklisten heraus, mit denen sie Jugendliche in den Kirchengemeinden ermuntern will, die eigenen Gottesdienste einmal kritisch zu beleuchten und nachher mit dem Pfarrer, der Pfarrerin darüber ins Gespräch zu kommen.