06.03.2007

27. LJV-Treffen in Bielefeld vom 2. bis 4. März 2007 - Protokoll

Kategorie: LJV-Treffen
Die im Buch "Jugendliche als Akteure im Verband" vorgestellten Ergebnisse einer Untersuchung der Evangelischen Jugend werden vorgestellt und in einer AG genauer verhandelt.

Protokoll des 27. LJV-Treffen (Öffentliche Tagung der Landesjugendvertretung e.V., Delegiertenversammlung gem. Satzung) 2. bis 4. März 2007 in Bielefeld (Bethel)

Studie: "Jugendliche als Akteure im Jugendverband"

Die im Buch "Jugendliche als Akteure im Verband" vorgestellten Ergebnisse einer Untersuchung der Evangelischen Jugend werden vorgestellt und in einer AG genauer verhandelt. Die Untersuchung scheint vieles zu bestätigen, was wir aus der eigenen Jugendarbeit kennen (z.B. die als überraschend dargestellte Tatsache, dass Jugendliche nur ganz selten Erwachsene / Hauptamtliche als Vertrauensperson für Probleme nutzen).
Die Arbeitsgruppe soll sich mit der Rezeption der Studie befassen und kann dann selbstständig eine Stellungnahme abgeben; fürs nächste LJV-Treffen soll dazu ein Workshop o.ä. vorbereitet werden.



Kirchenmusik
Kirchenmusikdirektor Matthias Nagel beklagt mangelnde Innovationen bei der kirchlichen Pop-Musik. Das Thema taucht bei der LJV immer wieder auf, vor allem rund um Jugendgottesdienste, wurde bisher aber noch nicht entsprechend bearbeitet.
Es soll daher eine Gruppe gebildet werden, die sich darein vertieft, mit Nagel spricht und überlegt, was konkret zu tun ist. Da derzeit noch zahlreiche andere Projekte abzuarbeiten sind, wird der Start einer solchen AG jedoch erstmal verschoben. Der Vorstand soll aber Vorklärungen treffen.


Jugendarbeit fördern
Die LJV will innovative Selbstorganisation von Gemeindejugendarbeit fördern. Für einen entsprechenden Unterstützer-Preis soll eine Finanzierung gefunden werden. Kontakte bestehen u.a. bereits zur Bewegungsstiftung, zur Bertelsmann-Stiftung und zur Stiftung Mitarbeit. Es soll sich nicht um einen Wettbewerb handeln, sondern um einen Support guter Ansätze.

juleica Grundseminar LJV und Kritik daran vom Landesjugendpfarrer

Am Rande der Jugendkammersitzung am 16. Februar 2007 ist die LJV-Vertreterin vom Landesjugendpfarrer sehr lautstark und rüde belehrt worden, nur Hauptamtliche dürften  juleica-Schulungen verantwortlich leiten. Dies sei im Rahmen der Qualitätssicherung so von der Jugendkammer beschlossen worden. Im Nachgang dazu gab es ein intensiveres Gespräch der Geschäftsführer, das in die LJV-Beratungen eingebracht wurde. Darüber diskutiert das Plenum eine halbe Stunde lang, wobei vor allem grundsätzliche Fragen erörtert werden und auf viele vergleichbare Konflikte in der Vergangenheit hingewiesen wird. Essentials:

a) Ehrenamtliche Jugendmitarbeiter müssen sich grundsätzlich nicht von Hauptamtlichen anbrüllen lassen. Das ist schon sonst kein guter Umgang miteinander, im kirchlichen Raum und zwischen bezahlten und unbezahlten Kräften schon gar nicht. Nach vielfältigen Berichten wird der Landesjugendpfarrer in Sitzungen häufig laut bis ausfallend.
Die LJV empfiehlt ihren Vertretern in den entsprechenden Gremien, sich davon nicht weiter beeindrucken zu lassen.

b) Die LJV ist eigenständiger Jugendverband, der sich mit anderen vernetzt und nach Kräften für die Sache mit anderen zusammenarbeitet. Dies berührt jedoch in keinem Fall das Selbstbestimmungsrecht der LJV. Schon rechtlich können Beschlüsse anderer Gremien nicht bindend sein für die juristische Person LJV.

c) In der entsprechenden Jugendkammersitzung am 1. Dezember 2006 hatte Caro als LJV-Vertreterin dem Beschluss zur "Grundausbildung ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter" explizit nicht zugestimmt (Protokoll). Ferner liefen zu diesem Zeitpunkt bereits seit 2 Jahren juleica-Seminare der LJV inklusive der Ausstellung von juleicas. 

d) Die vom Landesjugendpfarrer vertretene Position ist mit den konstituierenden Ansichten der LJV, die seit nunmehr 9 Jahren öffentlich vertreten und diskutiert werden, nicht zusammenzubringen. Daher soll geklärt werden,
1. ob dies die offizielle Meinung der EKvW ist,
2. wie das Ministerium die Monopolisierung der Ausbildung durch Hauptamtliche sieht, da es sich
bei der juleica ja um ein staatliches, nicht kirchliches Zertifikat handelt.

Ferner muss das Thema Ehrenamt - Hauptamt offenbar nochmal grundlegend erörtert werden (dazu ausführlich TOP 4), dies vor allem, weil derzeit wichtige Weichen bei der Kirchenentwicklung gestellt werden (Kirche mit Zukunft, Kirche der Freiheit, Reform der Gremien, Beteiligung Jugendlicher an der Landessynode, neue Modelle in der Konfirmandenarbeit etc.).

e) Die anwesenden Deeskalationstrainer raten von einem vom Vorstand vorgeschlagenen förmlichen Beschwerdebrief ab. Allerdings sei auch kein "klärendes Gespräch" nötig, wie von Villigst offenbar angeregt. Die LJV-Positionen sind klar, die juleica-Seminare seit Jahren öffentlich kommuniziert.

f) Der LJV-Beirat hatte dazu am 21. Februar empfohlen, auf eine Entschuldigung des Landesjugendpfarrers zu drängen. Der Vorschlag findet keine Mehrheit, da
1. Entschuldigungen Einsicht verlangen und diese nicht von anderen beschlossen werden könne,
2. es um die inhaltliche Auseinandersetzung geht und nicht um einen persönlichen Konflikt (der
zumindest, wenn vorhanden, der LJV egal sein könne).

[Nachtrag 19.Mai 2007: Udo Bußmann hat diesen Protokollteil zur Kenntnis genommen, sich aber inhaltlich nicht geäußert. Es ist also keine Entschuldigung zu erwarten und der Ton wird wohl rüde bleiben. Schade.]

Hauptamt und Ehrenamt

* Die nicht verbeamteten Berufsgruppen in der Kirche haben einen schweren Stand - seit Jahren. Dies schlägt sich auch bei den Jugendreferenten seit Jahren deutlich in der Arbeit nieder: viele kämpfen ums nackte Berufsüberleben.
Für die berufsständischen Interessen hat die LJV volles Verständnis. Allerdings erwartet sie, dass (unabhängig davon, wie unterstützenswert einzelne Positionen sind) gewerkschaftliche Anliegen auch ausschließlich als solche gekennzeichnet und ausschließlich über die dafür vorgesehenen Partizipationsgremien der Beschäftigten vorantriebt. Derzeit werden die kirchlichen Gremien der Jugendarbeit völlig okkupiert von diesen Interessen der Pädagogen. Inhaltliche Arbeit komme zu kurz,  Diskussionen werden künstlich verengt und allein ergebnisorientiert auf die Absicherung des Hauptamts geführt.

* Dies gipfelt u.a. darin, dass derzeit alle Kampagnen massiv in die Richtung gebogen werden: "Ehrenamtliche Jugendarbeit braucht Hauptamtlichkeit". Dies sind aber keine Aussagen von Jugendlichen, dies ist keine Position eines Jugendverbands - sondern eine gewerkschaftliche Behauptung an die Adresse von Kirchenleitung und ggf. Politik, also an Geldgeber.

* Grundsätzliche Überlegungen zum Verhältnis von Ehrenamtlichen zu Hauptamtlichen werden in den Gremien abgeschmettert - nach dem Motto: "Dann müssten wir ja grundsätzlich etwas ändern."
Genau darin sieht die LJV aber schon immer das Problem: Es wird nicht grundsätzlich diskutiert, was schief läuft. Jede inhaltliche Auseinandersetzung mit den Aufgaben bezahlter Mitarbeiter wird als Angriff auf das Hauptamt insgesamt interpretiert, wogegen sich die LJV kaum effektiv wehren kann. Viele kommunizierte Behauptungen grenzen an Diffamierung.

* Jugendliche brauchen zunächst mal keine Legitimation, um sich zusammenzuschließen und für oder gegen etwas zu engagieren. Sie sind Teil der Gesellschaft und in unserem Fall auch und vor allem Teil der Kirche.

* Ehrenamtliche werden nicht durch Hauptamtliche legitimiert, sondern natürlich umgekehrt: Hauptamtliche durch Ehrenamtliche, also: Angestellte / bezahlte Mitarbeiter als Sonderfall von der Allgemeinheit, dem Verband, dem Souverän.
Ausführlich im LJV-REader "mitmischen" dargelegt, siehe online: www.landesjugendvertretung.de/altdaten/mitmischen_ea.html

* Barmen IV: herrschaftsfreie Kirche

* Erwachsene sind niemals Jugend, also auch nicht "Evangelische Jugend". Sie können für diese Gruppen / Verbände arbeiten, in deren Auftrag tätig werden oder von anderen beauftragt sein, sich für die Anliegen einzusetzen, aber sie können niemals in der "Wir-Form" sprechen. ("Der Konfirmanden-Pfarrer ist nicht Konfirmand, der Jugendpfarrer ist nicht Jugend.")

* Da das einige Lobbyisten beharrlich nicht einsehen, sollten sie wenigstens die von ihnen unterschiedliche Position vieler Jugendlicher wahrnehmen und akzeptieren.

* Auch wir wollen Unterstützung von Hauptamtlichen, wir sind gegen Stellenkürzungen etc. Aber wir erwarten, dass dafür endlich zur Kenntnis genommen wird, was Jugendliche an Unterstützung wollen und dass offen, ehrlich und kritisch über Qualität gesprochen wird. Dies geschieht bisher nicht.

* Konkret erlebt die LJV seit ihrem Bestehen viele Hauptamtliche auf Landesebene eher in einer selbsternannt-elterlichen denn einer partnerschaftlichen Rolle. Konkrete Unterstützung in nennenswertem Umfang haben wir bisher - außer vom Amt für Jugendarbeit in Villigst - von keinem einzigen Hauptamtlichen erfahren.

* Gerade eine Haltung wie bei der Monopolisierung der juleica-Schulungen zeigt, dass viele Hauptamtliche überhaupt nicht auf die Idee kommen, durch gute Arbeit überzeugen zu wollen, sondern per Beschluss, Verordnung und Machtkontrolle über die Geldflüsse Positionen halten wollen. Konkret: In den 9 Jahren ist noch kein Hauptamtlicher in irgendeinem Zusammenhang auf die LJV zugekommen und hat einfach Unterstützung angeboten. So auch jetzt bei dem juleica-Thema. Damit hat sich zumindest noch kein Hauptamtlicher auf landeskirchlicher Ebene für seinen Job qualifiziert, viele haben sich aber mit tatkräftigem Bemühen disqualifiziert.

* Wir halten die ewige Hauptamt-Ehrenamt-Unterscheidung für wenig hilfreich. In praktisch allen Punkten muss es um konkrete Ziele gehen, um Aufgaben. Daran sind alle zu messen, Hauptamtliche wg. der von ihnen verursachten Kosten natürlich viel strenger als Leute, die in ihrer Freizeit aktiv werden.

*Für uns als Jugendmitarbeiter der Gemeinden sind die wichtigsten Ansprechpartner für Jugendarbeitsfragen in den allermeisten Fällen Pfarrerinnen und Pfarrer. Daher ist für uns vieles, was die Pädagogen-Konferenzen verhandeln, weit ab vom Schuss. Es gibt hier kaum Vernetzung, hauptamtliche Jugendreferenten werden auf immer abgehobeneren Ebenen tätig, sind immer weniger in die konkrete Jugendarbeit eingebunden. Das hilft uns inder Jugendarbeit nicht, das wird aber auch auf Dauer keine Grundlage für die Jobs sein. Es wundert uns nicht, dass viele Kirchengemeinden entsprechenden Stellenstreichungen zustimmen, weil für sie die Kosten-Nutzen-Relation nicht stimmt.

* Wir sind immer noch verwundert, dass die berufspolitisch engagierten Jugendreferenten die LJV meist als "Gegnerin" sehen und nicht als den Verband, den man für sich gewinnen muss. Wir haben jedenfalls keine Lust, uns weiter an Widerständen von Hauptamtlichen abzuarbeiten.


Erwartungen an Hauptamtliche


* Die Abnahme von Verwaltungsscheiß wie Abrechnungen. Das sind Dinge, von denen wir normalerweise keine Ahnung haben, auf die wir keinen Bock haben;

* Einspringen, wenn Not am Mann ist: wenn ein Gruppenleiter krank ist oder beruflich verhindert ist, wenn es in der Gemeinde eng wird: gerade hierfür brauchen wir eine "Task Force". Dies muss auch für längere Überbrückungen möglich sein ("Generationenwechsel").

* Unterstützung bei Fachfragen: Hauptamtliche müssen nicht alles selbst wissen, sie sollten im Gegenteil vor allem auch ihre Grenzen kennen und uns daraus resultierend bei der Suche nach geeigneten Fachleuten unterstützen: Referenten, Seminartrainer, Musiker, Rechtsexperten etc.

* Hauptamtliche sind Ansprechpartner für Jugendliche, auch außerhalb der klaren "Arbeitszeit". Ihre "Qualität" hängt vor allem davon ab, wie gut sie auf der persönlichen Ebene mit Jugendlichen / Jugendmitarbeitern klar kommen, von ihnen als kompetente, auch kritische Ansprechpartner gesehen werden.

* Hauptamtliche sollten einen guten Überblick bei Methoden der Jugendarbeit haben: die neuste Literatur kennen, Spiele und Medien selbst ausprobieren, in Netzwerken arbeiten, auf dem neusten Stand sein. Wer uns heute noch "New Games" als "new" verkaufen will, ist fehl am Platz.
Sie sollten aktiv Informationen sammeln und diese weitergeben. Der Informationsfluss stoppt häufig genau bei den Hauptamtlichen.

* "Hauptamtliche sollten professionell sein, aber nicht meinen, dass von ihnen die Welt abhängt." Sie müssen sich klar als Dienstleister sehen. In vielen Fällen sind sie aber Entscheider, Gate-Keeper etc., was geradezu kontraproduktiv sein kann.

* Als Ressourcen in der Jugendarbeit brauchen wir
* Organisatorisches Knowhow
* Veranstaltungstechnik
* Medien- und Öffentlichkeitsarbeit
* Finanzierung: Geld ökonomisch sinnvoll besorgen
* neue Entwicklungen der Medien (Web 2.0)
* Rechtskenntnisse (z.B.GEMA)


Für die Fortbildung werden die örtlich oder regional angestellten Hauptamtlichen nur begrenzt zuständig sein, vor allem also im Bereich der organisatorischen Unterstützung (s.o.).
Für eine qualitätssteigerung hat die LJV schon mehrfach die Bildung von einigen wenigen Kompetenz-Zentren vorgeschlagen, an denen Fachleute aller Genre (also auch Sportler, Biologen, Musiker, Juristen etc.) zeitlich bfristet haupt- oder nebenberuflich angebunden sind.

Most nervigst Sätze in Hauptamtlichen-Arbeitsgruppen:
- Jugendliche sollen dazu befähigt werden, dass...
- Ich fand es jetzt auch noch mal schön, dass du...
- Ich finde es als Ermutigung, wenn...
- Für mich war das jetzt auch noch mal interessant, dass du ...




LJV PR und Diverses:

*  Vor diesem LJV-Treffen wurde eine telefonische Nachfassaktion durchgeführt, bei der nach dem Zufallsprinzip 100 Kirchengemeinden telefonisch befragt wurden, was mit der LJV-Einladung passiert sei. Das Ergebnis war niederschmetternd. Abgesehen davon, dass man bei vielen Gemeinden bis zu fünf Telefonate führen musste, um überhaupt jemanden zu erreichen, der etwas zur Frage sagen konnte, wandert die LJV-Post entweder direkt in den MÜll oder wird an einen hauptamtlichen Jugendreferenten weitergegeben. Die Jugendlichen der Gemeinde (Mitarbeiterkreis o.ä.) erreichen sie so gut wie nie. Dies ist aber offenbar kein böser Wille, sondern Überforderung: die Büros haben einfach keine Struktur für Informationsweitergabe.

* Unter anderem daraus ergibt sich die Notwendigkeit, verstärkt mit den Gemeindebüros und den Pfarrerinnen und Pfarrern in Kontakt zu treten. Daher wird beschlossen, die Superintendenten anzuschreiben und zu fragen, ob die LJV ihre Arbeit einmal bei einer Pfarrkonferenz vorstellen könnte.

* Es sollte mal wieder ein LJV-Flyer gedruckt werden, zum Verteilen an Konfis etc.

* Das Hauptthema des LJV-Treffen im September soll "Freizeiten"sein; beim Programm kann man sich am Seminar von Februar 2001 in Dülmen orientieren.

* Die Resonanz auf unsere Pressemitteilungen ist derzeit sehr gut. Es soll aber weiterhin nur zu wichtigen Themen etwas an die Presse gegeben werden.

* Stichpunkte für eine Pressemittilung zur Schule aufgrund der AG Ergebnisse:

- Non-formal Learning
- Lebensräume entdecken,halten, schaffen
- in der Schule nicht alles / das Leben simulieren
- Staatsorgan
- Ausbildung für wen (Arbeitskräfte / Menschenmaterial)
- Keine Dauer-Betreuung / Pädagogisierung
- gesellschaftliches Engagement
- Separierte Bildungsschichten, keine Vermischung
- Sport, offener Treff, Erfahrungen machen können,
-  bei uns auch Defizite, aber da, wo es geklappt hat, erfolgreiche